Es ist wie nach dem Gewitter. Statt der Blitze fernes Wetterleuchten. Es donnert auch nicht mehr, es grummelt nur noch. Die wackeren Land(s)leute in aller Welt, sie sind froh und lachen. Und soweit sie nicht lachen, genieren sie sich, daß sie vor de Gaulle ...

Ja, was denn? Geht es denn immer noch um de Gaulle? Immer wieder um de Gaulle?

Freilich! Und wer sich daran noch nicht gewöhnt hat, wird sich daran gewöhnen müssen. Solange er regiert, wird man damit rechnen dürfen, daß er die Seelen immer wieder in Wallung bringt: von Paris bis Montreal... bis Ottawa bis...

Es könnte beispielsweise Lüttich (Liège) sein oder Mons (Bergen) oder gar Brüssel (Bruxelles). Und so hat denn die bedeutende in Brüssel erscheinende Zeitung „La Libre Belgique“ (katholisch, bürgerlich) sich rechtzeitig Gedanken darüber gemacht, was zu tun sei, wenn es, wie vordem in Quebec, plötzlich hieße: de Gaulle ante portas!

„Vorsicht! Wir müssen um so vorsichtiger sein, als unsere Sprachenprobleme nicht ohne Analogie zu denen in Kanada sind! Und dies ist keine theoretische Frage. Denn da unser König offiziell Besuch in Frankreich gemacht hat, wäre es protokollarisch normal, daß der französische Staatschef hier, bei uns, erschiene.“

Was tun? Man müsse den Besuch verhindern! Also: Wenn auch der Streit zwischen Flamen und Wallonen zuweilen heftig tobt, so möchten doch sogar jene Französisch sprechenden Belgier, die leidenschaftlich für ihre wallonischen Rechte kämpfen, auf jeden Fall verhindern, daß de Gaulle ihnen zurufen könnte: „Vive les Wallons!“ Wobei sie diesmal mit den Flamen einer Meinung sind.

„Die Visite“, schreibt „La Libre Belgique“, „ist ein Ding der Unmöglichkeit geworden. Darüber müssen sich alle klar sein.“ Weil aber das Gewitter sich offenbar verzogen hat, schließt der Appell dann doch in gallischer Heiterkeit mit den Worten: „Anders mag sich die Frage stellen, wenn de Gaulle eines Tages bei uns den Schutz-Status eines politischen Flüchtlings verlangte.“