Im Krieg zwischen Nigeria und der abgefallenen Ostregion, die Oberstleutnant Ojukwu am 30. Mai zur „unabhängigen Republik Biafra“ ausgerufen hatte, blieb die Lage undurchsichtig.

Seit der Einnahme Nsukkas im Nordwesten Biafras vermochten sich die Truppen der Zentralregierung unter Generalmajor Gowon nicht näher als 45 Kilometer an die Rebellen-Hauptstadt Enugu heranzukämpfen. Auch die Eroberung des Erdölhafens Bonny im Süden Biafras durch ein Landungsunternehmen vor drei Wochen scheint vorerst ohne weitere militärische Folgen geblieben zu sein. Von der Nordostfront konnte Lagos ebenfalls keine neuen Siege melden.

Ojukwu beschuldigte unterdessen Großbritannien, Gowon mit Kampfflugzeugen und britischen Piloten zu versorgen, was vom britischen Hochkommissar in Lagos bestritten wurde. Lagos trat auch amerikanischen Behauptungen entgegen, nach denen Nigeria die Sowjetunion um Waffenlieferungen gebeten habe.

Längst haben sich die Kämpfe, die vor fünf Wochen ausbrachen, zu einem Guerillakrieg ausgeweitet, der die langen Nachschubwege der nigerianischen Armee in den Regenwäldern Biafras bedroht. Biafra dagegen stöhnt unter der Wirtschaftsblockade, die Gowon gegen das Regime Ojukwus verhängte. Im Hafen von Harcourt soll es unter schätzungsweise 30 000 Arbeitslosen zu ersten Unruhen gekommen sein, die sich auch gegen Großbritannien richteten, Radio Biafra hatte die britische Ölgesellschaft BP/Shell beschuldigt, die Truppen der Zentralregierung bei der Einnahme von Bonny unterstützt zu haben.