Von Manfred Triesch

Faulkners Stellvertretung für den Süden der USA ist unbestritten. Der Autor einer Region zu sein, ist in Amerika durchaus ein Kompliment und steht der nationalen Geltung nicht im Wege. Wie sehr Faulkner gemein-amerikanisches Vorbild geworden ist, zeigt der Umstand, daß die Neuengländer aufs äußerste darauf erpicht sind, endlich den Faulkner ihrer Region zu entdecken. Gar mancher ist dazu ernannt worden, keiner hat sich im Rang behaupten können. Der letzte Vorschlag ist John Cheever, dessen zweiter Roman nun übersetzt ist –

John Cheever: „Die schlimmen Wapshots“ (Originaltitel: „The Wapshot Scandal“), aus dem Amerikanischen von Paul Baudisch; Rowohlt Verlag, Reinbek; 264 S., 19,80 DM.

Die Übersetzung war unausweichlich, das Pendant („Die lieben Wapshots“) kennen wir seit 1958. Es hieß im Original „The Wapshot Chronicle“, und das soll denn das Ganze auch sein: eine Familienchronik-

Die Kleinstadt St. Botolphs in Massachusetts ist der Ausgangspunkt und immer die Zuflucht dieser Familie, deren Mitglieder weder lieb noch schlimm sind, schon gar nicht schlimm in diesem schelmisch-drohenden Sinn, den der deutsche Titel suggeriert. Von St. Botolphs aus verstreuen sich die jüngeren Wapshots in die Welt. Moses und Coverly verlassen die Idylle, Coverly errichtet den Gegenpol in Talifer, einem Raketenzentrum, in dem er arbeitet.

St. Botolphs ist nicht typisch. John Cheever kann es sich nicht versagen, dort alle Dinge unterzubringen, die man dem kleinstädtischen Muff und Mief gemeinhin unter die Decke schieben will.

St. Botolphs hier und Talifer dort. Die Frau gelangweilt am TV, einziges Spektakel die Raketenabschüsse am Samstagnachmittag. Die eine ergibt sich dem Gemüsejungen, die andere läuft für eine Weile davon. Hier die alte Farm, der Fluß und die Weihnachtssänger, dort viertausend Häuser, alle gleich. Ein simples Schema, das uns täuscht.