Von Dietrich Strothmann-

Nichts wiederholt sich in der Geschichte, selbst nicht in der des Orients. Nur die Geschichten ähneln zuweilen einander, so wie zwei jordanische, die sich im Mai 1948 und im Juni 1967 zutrugen.

Die erste Geschichte: Zwischen den israelischen und jordanischen Soldaten war noch kein Schuß gefallen. In seinem Palast auf einem der Hügel Ammans empfing Jordaniens erster König Abdallah heimlich eine Frau, die sich als Moslem verkleidet hatte. Es war Golda Meir, Israels spätere Außenministerin. Ihre Regierung hatte sie als Sendbotin zu dem feindlichen Nachbarn geschickt, um ihn vom Krieg abzuhalten. Der König zeigte sich geneigt, die Ägypter und Syrer allein marschieren zu lassen. Doch dann, als die Palästina-Schlacht entbrannte, gab Abdallah seiner „Arabischen Legion“ den Befehl, das Land westlich des Jordans zu besetzen. Golda Meirs Mission war gescheitert, Jordanien aber um eine fruchtbare Provinz reicher.

Die zweite Geschichte: Fast zwanzig Jahre später drohte ein neuer Waffengang zwischen den Israelis und den Arabern. Abdallahs Enkel, König Hussein, zögerte, den Ägyptern und Syrern Schützenhilfe zu leisten. Wieder versuchten die Israelis, den Nachbarn in seinem Widerstand zu bestärken. Doch dann verbündete sich Hussein mit Nasser. Der Krieg brach aus, und Jordanien verlor seine fruchtbare Provinz westlich des Jordans.

Die moderne Geschichte des Nahen Ostens ist enie Geschichte der Feindschaften. Untereinander sind die Araber zerstritten, und mit den Israelis stehen sie auf Kriegsfuß. Unfreiwillig und aus purem Selbsterhaltungstrieb mußte sich Hussein auf Nassers Seite schlagen, als Kairo zum „Heiligen Krieg“ rief. Notgedrungen machte er auch immer wieder den Versuch, sich mit seinem Nebenbuhler am Nil auszusöhnen. Doch nichts von alledem fruchtete: Auf dem Schlachtfeld erlitt Hussein die ärgsten Verluste. Seinem Land droht das Chaos. In dem Bruderkampf mit Nasser wechselten Freundschaftsbeteuerungen mit haßerfüllten Anklagen ägyptischer Propagandisten wider den „Handlanger des Imperialismus und Zionismus“.

Eines Tages könnte auch eine „andere Geschichte“ sich wiederholen – die Geschichte eines Mordes. Es war der 20. Juli 1951. König Abdallah betrat die Omar-Moschee in der Jerusalemer Altstadt, um am Grabe seines Vaters zu beten. Da stürzte ein radikaler Palästinenser auf ihn zu und schoß ihm in den Kopf. Hussein und sein damals 16jähriger Enkel, standen nur zwei Meter entfernt. Als der Junge den Attentäter verfolgte, traf auch ihn eine Kugel. Sie prallte an einem seiner Orden ab.

Seit diesem 20. Juli rechnet Hussein damit, ermordet zu werden.