Von Gottfried Sello

LA HABANA LIBRE strahlt in riesigen Leuchtbuchstaben über der nächtlichen Stadt. La Habana Libre ist zunächst ein modernes Hochhaus mit dreißig Stockwerken – das größte Hertel von Kuba. Seit Mitte Juli durfte keine Privatperson das Hotel betreten, weil hier am 31. Juli die erste Konferenz der OLAS (Organisation Latino-Americana de Solidad) beginnen sollte. Das Hotel war für die ausländischen Delegationen reserviert, hermetisch abgesperrt, militärisch gesichert.

Einer von uns, ein Prager Kollege der das Verdienst hat, Hans Hartung und Vasarely nach Prag gebracht zu haben, ein ungemein sympathischer Mann, den ich im Lauf der Reise näher kennengelernt und mit dem ich Freundschaft geschlossen habe, war ahnungslos zu La Habana Libre gegangen, um einen tschechischen Maler, der da wohnen sollte, zu besuchen. Er wurde von Miliz angehalten und verhört, aber die Sache verlief völlig harmlos, der Irrtum wurde rasch aufgeklärt – die Kubaner sind nicht bürokratisch und nicht sonderlich mißtrauisch, nicht einmal uns Bundesdeutschen gegenüber.

Sie fragen, wenn sie hören, daß wir aus Deutschland kommen, „federal“ oder „democratica“, und verziehen keine Miene, wenn die Antwort „federal“ ist.

Sie sagen irgendetwas Nettes über die deutschen Autos, die sie verdammt gut brauchen können. Die amerikanischen Straßenkreuzer, die sie fahren, stammen aus der vorrevolutionären Ära, die neuesten sind Jahrgang 1959, das Gros ist wesentlich älter, ausgediente Veteranen, die bei uns längst auf dem Autofriedhof gelandet wären. Es ist fabelhaft, wie die Kisten durch die Stadt preschen, ohne auseinanderzubrechen. Und es ist noch erstaunlicher, wie schnell man sich an diese Vehikel gewöhnt; man sieht weder die zerbeulte, verrostete Karosserie noch die zersplitterte Windschutzscheibe, man hat nach wenigen Tagen das Gefühl: Autos müssen so sein.

Sie loben die deutschen Autos, den Volkswagen, der in einigen älteren und neuesten Exemplaren in Havanna vorhanden ist (die Regierung hat sie für besondere Zwecke über Mexiko importiert), sie loben deutsche Elektrogeräte und Maschinen, die sie nicht haben, und sie sagten, wenn sie hörten, daß ich aus Hamburg komme: eine schöne und große Stadt (Havanna ist mit 1,7 Millionen Einwohnern kaum kleiner), ein wichtiger Hafen. Der Ruf von St. Pauli ist bis nach Kuba gedrungen.

*