• „Gabriele Manier“ (Heidelberg, Kunstverein): Rund 70 Gemälde, darunter einige ihrer Hinterglasbilder, zeigt der Heidelberger Kunstverein zum 90. Geburtstag von Gabriele Münter (1877–1962). Die Städtische Galerie München, die das künstlerische Erbe des Blauen Reiters beherbergt, hat sich mit Leihgaben beteiligt, das meiste stammt jedoch aus Privatbesitz und war bisher kaum zu sehen.

Ihre beste Zeit waren die gemeinsamen Jahre mit Kandinsky. Aber es zeigt sich immer deutlicher, daß es voreilig war, aus der langen Gemeinschaft eine künstlerische Abhängigkeit zu konstruieren. Ihre frühen und stärksten Bilder aus den Jahren vor und nach 1910, die Figuren in der Landschaft oder im Innenraum, die „Kahnpartie“, der Blick ins Gebirge haben eine suggestive, eine strahlende und dabei jeden grellen Effekt vermeidende Farbigkeit, wie sie in diesen Jahren nur noch August Macke erreicht hat.

Eine undoktrinäre, unprogrammatische Malerei, ohne die geistige Unruhe, die Spannung, die den Blauen Reiter charakterisiert, aber auch ohne die expressiven Übertreibungen, die Gewaltsamkeit, die Manierismen, die etwa das Werk von Jawlensky, zum mindesten zeitweilig, belasten. Die Münter ist ein großes und in der deutschen Malerei vor 1914 seltenes Beispiel, daß sich die neuen künstlerischen Ideen auch unverkrampft, mit vollkommener Natürlichkeit vortragen ließen.

Der Ausstellungskatalog mit seinen hervorragend gedruckten Farbtafeln hat den Rang einer Monographie. Die Ausstellung ist in Heidelberg bis zum 13. August, anschließend bis zum 1. Oktober im Württembergischen Kunstverein Stuttgart, Anfang 1968 im Westfälischen Kunstverein Münster.

Gottfried Sello

  • „Herbert Bayer“ (Galerie Klihm, München): Zunächst Student, dann Lehrer am Bauhaus, Emigration nach Nordamerika: diese Daten teilt der heute achtundsechzigjährige Bayer mit dem um zwölf Jahre älteren Josef Albers. Beider Einfluß auf die zeitgenössische Kunst in den USA ist bedeutsam. Während man aber seit Jahren einen umfangreichen Albers-Import in den deutschen Galerien antrifft, eine Rehabilitierung – oft unkritischer Art – seines Werkes, das zwei Jahrzehnte lang vergessen war, blieb solches für Bayer aus.

Erstaunlich genug, denn die Bilder, die Dr. Klihm in seiner Münchener Galerie zeigt (noch bis Ende August, die Ausstellung ist ab September in der Galerie Conzen in Düsseldorf und Aachen zu sehen), korrespondieren unmittelbar mit denen der heute Dreißigjährigen. Ist das ein Grund für die verzögerte Anerkennung Bayers? Hier ist ein Maler, der seine Kunst unter den Primat der Farbe stellt, eine Farbe, die zumeist in hintereinander gestaffelten Bändern, Quadraten oder anderen geometrischen Formen angelegt wird. Diese Farbformen entwickeln sich im Bild durch Verschiebungen, Überlagerungen.