Von Nathan Hara

Washington, im August

Als ich Ende Mai in der Zeitschrift U. S. News and World Report einen „Schwarzen Blitzkrieg“ als Vorläufer eines Rassenbürgerkrieges vor Ende dieses Jahrhunderts voraussagte, wurde ich von weißen Lesern mit Briefen überschüttet, die meine Prophezeiung in schärfster Form verurteilten. Zur gleichen Zeit stellte mich eine in der Washingtoner Zeitung Afro-American von sogenannten Negerführern veröffentlichte Untersuchung als einen Mann hin, der nicht ernst zu nehmen sei. Und das war dann die Wirklichkeit: Die Ereignisse in Detroit und in vielen anderen Städten folgten auf den Aufstand in Newark. Sie kosteten Dutzende von Toten, Hunderte von Verletzten, Millionen von Dollar vernichteter Werte.

Was in Newark als gemäßigte Konferenz von Vertretern der schwarzen Bevölkerung aus allen Bundesstaaten begann, endete nach Ausschluß aller weißen Berichterstatter (und ihrer schwarzen Gehilfen) mit 50 gegen die Weißen gerichteten Beschlüsse. Gefordert wurde eine Teilung der Vereinigten Staaten in getrennte Gebiete für Schwarze und Weiße.

Gerade eben ist es mir gelungen, telefonisch einen Freund im Getto von Detroit zu erreichen. Aus Angst getroffen zu werden, hockt er auf einer Matratze auf dem Fußboden und erzählt mir von einem Scharfschützen nebenan, von immer wieder aufflackernden Schießereien und berichtet, daß er in drei Tagen kaum zwei Stunden geschlafen habe. „Es ist genauso wie im Krieg“, sagt er. Nur wenige Stunden vorher hatte ein Schwarzer an der Straßenecke gestanden und geschrien: „Laßt uns losschlagen. Laßt uns Amerika niederbrennen.“

Was steht hinter diesem kochenden Zorn der schwarzen Amerikaner? Dies haben zwei von ihnen zu sagen; sie sind Studenten. Wir sitzen am Fernsehgerät und haben die letzten Nachrichten eingeschaltet.

„Sie könnten all dem ein Ende bereiten, wenn sie nur wollten“, sagt der eine. „Alles was sie zu tun haben, ist das Rechte zu tun.“