Immer schwerer wiegt die Bürde des Vietnamkrieges für die USA: Präsident Johnson ist entschlossen, die US-Truppen bis Ende Juni nächsten Jahres um weitere 45 000 Soldaten auf 525 000 Mann zu verstärken. Gleichzeitig kündigte er eine Erhöhung der Einkommens- und Körperschaftssteuer um zehn Prozent an.

Die Steuererhöhung ist Teil eines Finanzplans, mit dem der Präsident den Etat sanieren will. „Kürzungen, Steuern, Anleihen“ sollen das für 1968 drohende Riesendefizit von 112 Milliarden Mark verringern. Hauptgrund für die Finanzmisere: Die Verteidigungsausgaben werden bereits in diesem Jahr die im Januar angegebene Summe von 300 Milliarden Mark um 32 Milliarden übersteigen. Gleichzeitig blieb das Steueraufkommen um 28 Milliarden Mark hinter den Schätzungen zurück.

Johnsons fiskalische Rettungsaktion soll dem Staat 1967 eine Mehreinnahme von 30 Milliarden Mark verschaffen. Allein 16 Milliarden aber wird bereits die Entsendung der 45 000 Mann nach Vietnam kosten.

Diese Verstärkung der US-Truppen ist ein Kompromiß: General Westmoreland, Oberbefehlshaber in Vietnam, hatte vor fünf Wochen 70 000 bis 100 000 Mann angefordert. Verteidigungsminister, McNamara hatte dagegen nur 15 000 bis 30 000 Mann zugestehen wollen.

Während Johnson mit diesem Kompromiß noch einmal die unpopuläre Einberufung von Reservisten vermeiden konnte, wird er gezwungen sein, auf die 83 000 Mann der strategischen: Reserve zurückzugreifen, die eigentlich für Krisenfälle in den USA stationiert sein soll. In Washington wird auch nicht mehr ausgeschlossen, daß sich die Zahl der monatlichen Einberufungen (gegenwärtig etwa 24 000 Mann) in nächster Zeit erhöht.

Die Alliierten der USA in Vietnam sind vorerst nicht bereit, ihre Kontingente zu verstärken. General Taylor und Clark Clifford, die als Johnsons Sonderbotschafter nach Südvietnam, Thailand, Korea, Australien und Neuseeland gereist waren, kehrten lediglich mit der allgemeinen Überzeugung der Verbündeten nach Washington zurück, daß die Kriegsanstrengungen verstärkt werden müßten. Taylor: „Die Frage ist nur wie.“

Wie Taylor und Clifford berichteten, wünschen die Alliierten, daß die Bombardierung Nordvietnams fortgesetzt, wenn nicht gar verstärkt werden sollte. Amerikanische Flugzeuge flogen erst am Donnerstag voriger Woche mit 197 Einsätzen die schwersten Luftangriffe gegen Nordvietnam seit der Eröffnung des Bombenkrieges im Februar 1965.