Düsseldorf

Drei Tage lang saßen 109 Passagiere der kanadischen Chartergesellschaft „Nordair“ auf dem Düsseldorfer Flughafen fest. Als Mitglieder der deutschen Carl-Schirren-Gesellschaft in Lüneburg hatten sie nach Kanada fliegen wollen, um dort Verwandte und Angehörige zu besuchen. Nach mehreren Motordefekten und erfolglosen Startversuchen hatten neun Passagiere das Vertrauen in die Fluggesellschaft verloren. Sie weigerten sich, das Flugzeug zu betreten. Was war geschehen?

Freitag, den 28. Juli 1967: Mit vierzig Minuten Verspätung rollt gegen 22.42 die viermotorige Super-Constellation der kanadischen Chartergesellschaft „Nordair“ auf den Düsseldorfer Flughafen zum Start nach Montreal. In der Beschleunigungsphase, kurz vor Erreichen der Startgeschwindigkeit, tritt beim rechten Innenmotor Nr. 3 plötzlich ein Schaden auf. Flugkapitän Bertram, 49 Jahre alt, aus Dresden gebürtig, bricht darauf den Start ab und übergibt nach mehreren Motorproben im Stand gegen 23.10 Uhr das Flugzeug den Technikern der Deutschen Lufthansa.

Samstag, den 29. Juli 1967: Gegen 4 Uhr früh, nach Stunden des Bangens und Hoffens, werden die 109 Nordair-Passagiere in verschiedenen Düsseldorfer Hotels untergebracht. Ein großer Teil von ihnen unwissend über das weitere Geschehen. Denn, noch vor dem vorgesehenen Start am Freitag hatte der Vertreter des Hamburger Reisebüros Bruhns, das die Betreuung dieser Reisegruppe übernommen hatte, bereits den Flughafen Düsseldorf verlassen. Die schadhafte Nordair Super-Constellation startet um 8.49 Uhr mit drei Motoren zum Flug nach Hamburg zur Lufthansa-Werft. Die Düsseldorfer Lufthansa-Techniker: „Der Motor muß raus, aber die Triebwerke sind in Hamburg.“ Doch vor der Landung in Hamburg muckt der linke Außenmotor Nr. 1 der Super-Conny. Mit zwei defekten Triebwerken rollt das Flugzeug in die Werft, während in Düsseldorf sich die Fluggäste nicht aus den Hotels wagen, da sie nicht wissen, wann ihre Maschine gegebenenfalls startet.

Sonntag, den 30. Juli 1967: Gegen 15 Uhr rollen die Busse mit den Passagieren zum Flughafen Düsseldorf. Angeblich hatte man einigen von ihnen mitgeteilt, daß der Start zwischen 16 und 17 Uhr erfolgen soll und daß die Maschine startbereit auf dem Platz stehe. Doch nichts tat sich bis 22.15 Uhr. Erst dann klärte der inzwischen zurückgekehrte Vertreter des Hamburger Reisebüros Bruhns seine Gäste über die bisherigen Ereignisse auf. Lautstarke und erregte Zwischenfragen wurden von ihm mit den Bemerkungen abgetan, daß man doch Zeit genug gehabt habe, sich einmal Düsseldorf anzusehen. Ein erneuter Start wurde für etwa zwei Uhr morgens vorausgesagt.

Montag, den 31. Juli 1967: Nach Absage und erneuter Verschiebung des endgültigen Starts werden die 109 Fluggäste nochmals in Düsseldorfer Hotels untergebracht. Bei der Abfahrt um zwei Uhr kommt es wiederholt zu heftigen Anklagen gegen das Hamburger Reisebüro. „Man wird ja hier wie Vieh hin- und hergeschoben.“. Um 5.12 Uhr landet die wieder instand gesetzte Nordair-Maschine, und der Start wird auf 15 Uhr festgesetzt. Gegen 13 Uhr verlassen die Nordair-Passagiere letztmalig ihre Hotels und starten um 15.45 Uhr zum Flug nach Kanada. Aber bereits nach 10 Minuten Flugzeit zeigt sich, dieses Mal am rechten Außenmotor Nr. 4 ein Schaden. Die Maschine kehrt um und landet um 16.12 Uhr wieder in Düsseldorf. Jetzt beginnen die Gemüter der Passagiere zu kochen. Rufe wie „Fliegender Sarg“, „Seelenverkäufer“. und „Todesmühle“ werden laut. Nach fieberhaftem Arbeiten der Düsseldorfer Lufthansa-Techniker ist auch dieser Schaden gegen 19.30 Uhr behoben.

Neun Passagiere verweigern den Weiterflug. Dem Vertreter des Hamburger Reisebüros setzten die Fluggäste die Pistole auf die Brust: „Sie. fliegen mit!“ Dieser sagt zu, doch beim Start sollte er fehlen; er hatte es vorgezogen, am Boden zu bleiben. Um 20.35 Uhr war das Flugzeug mit 100 Passagieren gestartet, mit 71 Stirn-, den Verspätung.