Das Haus Siemens hat jetzt mit einer Schachtelbeteiligung an der Hamburger Werft Blohm + Voss eine enge Bindung zur deutschen Schiffbauindustrie hergestellt. Sie besteht nicht nur aus der finanziellen Klammer, denn mit der Übernahme der Beteiligung ist gleichzeitig eine Vereinbarung über eine technische Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen getroffen worden. Für Siemens ist dies der wichtigste Punkt der Transaktion, bei Blohm + Voss tritt deutlich die Notwendigkeit hinzu, die Eigenkapitalbasis nach Übernahme der Nachbarwerft H. C. Stülcken Sohn verbreitern zu müssen.

Beide Gesellschaften werden sich gegenseitig befruchten können, Blohm + Voss dürfte im hohen Maße von der Siemens-Forschungsarbeit profitieren. Um den Siemens-Eintritt zu ermöglichen, erhöht das Hamburger Unternehmen sein Kapital um 7,7 Millionen auf 30,7 Millionen Mark. Diese Aktien übernimmt Siemens zum Kurs von 250 Prozent, so daß Blohm + Voss neue Eigenmittel von 19,25 Millionen erhält. Dieser Eintrittspreis erscheint nicht als überhöht, selbst wenn man berücksichtigt, daß die Werft für 1966 nur 5 Prozent Dividende zahlt und noch immer von steuerlichen Verlustvorträgen zehren kann. Siemens kauft hier aber ein wertvolles technisches Wissen und einen dynamischen Vorstand, der auf dem Gebiet des Spezialschiffbaues revolutionierende Ideen zu verwirklichen bereit ist.

Die künftige Zusammensetzung des Blohm + Voss-Aktienkapitals wird so aussehen: Je 33 Prozent die Familie Blohm und die Thyssen-Gruppe, 25 Prozent Siemens Und 9 Prozent die Familie von Dietlein (Stülcken).

Bei der Betrachtung der ungewöhnlichen Zuwachsraten ist zu berücksichtigen, daß in der Bilanz für 1966 erstmals die übernommene Werft Stülcken in den Zahlen mitenthalten ist. So erklärt sich der Anstieg der Gesamtleistung um 43 Prozent auf 390 Millionen Mark, des Umsatzes um 74 Prozent auf 400 Millionen und des Rohertrages um 91 Prozent auf 141 Millionen. Dagegen mutet der Anstieg des Gewinns von 1,1 auf 2,1 Millionen bescheiden an. Dies um so mehr, als es der Werftleitung gelungen ist, die gewinnträchtigen Umsatzanteile besonders wachsen zu lassen. Dazu sagt der Vorstand, daß das Geschäftsergebnis durch die Übernahmekosten und durch die höheren Zinslasten beeinträchtigt worden ist. K. W.