Die „zweite Emigration“ der Deutschen in diesem Jahrhundert – Emigration lange nach dem Kriege, aus dem Wirtschaftswunder heraus, Emigration der teuersten Kräfte, der Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker, Emigration nach USA, aber auch nach Schweden und England – diese unter dem Stichwort „brain drain“, Gehirnaustrocknung, bekannte Erscheinung hat endlich ihren Chronisten gefunden. In seiner an dieser Stelle schon von Hilke Schlaeger (ZEIT Nr. 29) angesprochenen Schrift:

Claus Müller-Daehn: „Zum Problem der Abwanderung deutscher Wissenschaftler“; Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen; 122 S., 6,80 DM,

bemüht sich der Autor, Mittel und Wege zur Eindämmung der Abwanderung aufzuzeigen. So wichtig dies ist, darf es doch nicht dahin führen, daß Abwanderung etwa durch planende Eingriffe erschwert wird.

Der junge Wissenschaftler oder Techniker begibt sich zunächst ja mit dem Ziel der Weiterbildung ins Ausland. Abwanderung wird daraus erst post factum, nämlich dadurch, daß die Möglichkeiten zur Rückgewinnung dieser Kräfte bei uns nicht erschlossen sind.

Was steht nun wirklich einer zügigen Rückgewinnung der im Ausland weitergebildeten deutschen Kräfte im Wege? Müller-Daehn unterscheidet drei Haupthindernisse:

  • finanzielle, also Motive ungenügender persönlicher Besoldung,
  • strukturelle, also Motive mangelnder Freiheit und Unabhängigkeit junger Wissenschaftler an deutschen Hochschulen und Forschungsinstituten,
  • materielle, also Motive der unzureichenden und unzulänglich verwalteten Forschungsmittel in Deutschland.

Die Fragen der persönlichen Besoldung sind im Rahmen der bestehenden Satzungen individuell immerhin diskutabel, auch wenn wir auf die Dauer nicht um die Schaffung eines speziellen Tarifs für Wissenschaftler im öffentlichen Dienst herumkommen werden. Der Verzicht auf eine grundsätzliche Tarifneuordnung bedeutet in diesem Zusammenhang ja nur, daß der einzelne Remigrant in eine relativ hohe Besoldungsklasse eingestuft werden muß. Dafür gibt es zahlreiche juristisch gangbare Mittel und Wege.