Die Hauptversammlung der Gelsenkirchener Bergwerks-AG hat die Börsenspekulationen um die Schaffung einer großen deutschen Ölgesellschaft neu belebt. Zugegeben wurde, daß Besprechungen über die Koordinierung der Ölinteressen der GBAG und der Veba stattgefunden haben. Ein solcher Schritt würde die GBAG-Aktionäre direkt noch nicht berühren, vielleicht auf längere Sicht, falls sich dadurch eine Besserung der prekär gewordenen Ertragslage des Unternehmens ergeben sollte. Das scheint indessen keineswegs sicher zu sein, denn auf der Hauptversammlung wurde „angedroht“, notfalls eine Lösung nach dem Beispiel der Deutschen Erdöl-AG suchen zu müssen, was nichts anderes bedeutet, als die Gesellschaft einem großen amerikanischen Ölkonzern zum Kauf anbieten zu wollen. Das wäre eine Chance für die GBAG-Aktionäre, ihre Aktien zu Kursen von über 200 Prozent loszuwerden. Kein Wunder, wenn der Kurs der GBAG-Aktie am Wochenbeginn sprungartig stieg.

An einen Ausverkauf deutscher ölinteressen an die Amerikaner glaubt indessen niemand mehr. Wahrscheinlicher ist eine Lösung, die über eine bloße Koordination mit der Veba hinausgeht. Die Veba wäre in der Lage, über Hibernia und notfalls auch über die Preussag erhebliche Substanz in den neuen Konzern einzubringen. In Börsenkreisen wird sie unter diesen Umständen als „aufnehmende“ Gesellschaft angesehen, die auch mit Wintershall zu einem Agreement kommen könnte.

Wenn diese Lösung nur langsam reift, dann liegt es daran, daß sich die Veba schwerlich mit den GBAG-Zechen belasten kann. Kohle hat sie selbst mehr als genug. Das ist auch ein Grund, warum Börsenkreise dem Rheinstahl- oder Abs-Plan zur Lösung des Kohlenproblems so viel Sympathien entgegenbringen. Denn ist die GBAG auf anständige Weise den Kohle-Ballast losgeworden, dann läßt sich die Vereinigung mit der Veba leichter bewerkstelligen. Es würde unter Umständen genügen, wenn die „nationale“ Kohlegesellschaft zur beschlossenen Sache würde. Dann könnte die Veba die „Verwertung“ des GBAG-Zechenbesitzes selbst übernehmen.

Mit welcher Abfindung könnten die freien GBAG-Aktionäre rechnen? Unter 190 Prozent, so glaubt man an der Börse zu wissen, werden die beiden Großaktionäre ihre Pakete nicht abtreten. Da man die freien Aktionäre schwerlich schlechter behandeln kann, würde auch ihnen dieser Preis zufallen. Mit einer Barzahlung rechnet allerdings niemand. Bestenfalls mit einer Entschädigung durch Veba-Aktien oder durch Veba-Wandelanleihen, wie neuerdings vermutet wird.

Das sind vorerst alles Spekulationen. Sicher ist, daß die Unternehmungsleitungen der Veba und der GBAG einen Zusammenschluß wollen. Der Bund wird vermutlich ja sagen, wenn es ihn kein Geld kostet. Er muß dann aber auch damit einverstanden sein, daß sich die Zusammensetzung des Veba-Aktionärskreises durch den Eintritt neuer Gruppen ändert. In Börsenkreisen ist man der Meinung, daß er sich es nicht leisten kann, aus falsch verstandenem Betreuungsehrgeiz die Schaffung eines leistungsfähigen deutschen Ölkonzerns zu verhindern. K. W.