Kritiker des Gemeinsamen Marktes haben diesen von jeher gern als Superkartell abqualifiziert. Dies ist ein Vorwurf, der nicht unbegründet erscheint, wenn man erfährt, daß jetzt allenthalben große Mengen Gemüse vernichtet werden, um die Preise zu halten, während gleichzeitig die Produzenten, vielmehr die „Vernichter“, dafür aus der EWG-Kasse Kompensation erhalten. So bekamen in der letzten Woche die französischen Bauern für 1000 Tonnen erstklassige Tomaten, die sie untergepflügt haben, über 200 000 DM Entschädigung. Und die Belgier erhielten 100 000 DM für eine halbe Millionen Stück Blumenkohl, die auf dem Komposthaufen landeten – um nur die größten Posten zu nennen.

Die Agrarkasse der EWG wird zu fast einem Drittel von der Bundesrepublik finanziert, weil diese unter den sechs Partnern das größte Importland für Agrarerzeugnisse ist. Wir müssen jährlich etwa 3 Milliarden DM an die Brüsseler Kasse abführen, von der in erster Linie Frankreich als das größte Exportland für landwirtschaftliche Erzeugnisse profitiert. Der Agrarfonds subventioniert französischen Weizen und auch Dosenschinken, der sonst in den USA – wohin er exportiert wird – nicht konkurrenzfähig wäre.

Merkwürdig, daß bei uns die Erregung darüber sehr viel geringer ist als über die Subventionen, die an die eigene Landwirtschaft gezahlt werden. M.