„Die Pflicht jedes Revolutionärs heißt Revolution!“ Unter diesem Motto versammelte sich in Havanna die erste Konferenz’ der „Organisation für lateinamerikanische Solidarität“ (OLAS), die Fidel Castro im Januar 1966 aus der Taufe gehoben hatte.

Castros verschollener Industrieminister und Guerillaexperte „Che“ Guevara, der angeblich in den Urwäldern Boliviens den Aufstand gegen das Regime des Präsidenten Barrientos organisiert, stand im Geiste Pate, als die 126 Delegierten aus 27 Ländern lautstark gegen den „Yankee-Imperialismus“ protestierten.

Selbst Stokely Carmichael, der radikale Negerführer aus den USA, hatte sich in die Front der lateinamerikanischen Revolutionäre eingereiht. In einer Brandrede machte er den amerikanischen Geheimdienst CIA verantwortlich für das Elend der Neger und für das Unglück in der Welt. Er sagte: „Die Rache muß sich auf die Verantwortlichen in den USA erstrecken. Wir wissen nicht, ob unser Volk bereit ist, aber unsere Abschußlisten sind fertig: McNamara, Dean Rusk, Johnson ... Wir müssen fünfzig Vietnams in den USA hervorbringen und fünfzig Vietnams außerhalb der Vereinigten Staaten. Das wird der Tod des Imperialismus sein.“

Auch Fidel Castro will in Lateinamerika den Weg der Gewalt gehen – nicht nur um die nordamerikanischen „Eindringlinge“ zu vertreiben. Er will die armen „Campesinos“ in Bolivien, Venezuela, Kolumbien, Guatemala und anderswo durch Guerillakriege von ihren „Marionettenregierungen“ befreien.

Dieses Umsturzprogramm des Kubaners stieß freilich nicht bei allen kommunistischen Bruderparteien auf Zustimmung. In Havanna fehlten denn auch offizielle Parteidelegationen aus Venezuela und Argentinien. Auf der OLAS-Konferenz kam es zu so starken Spannungen zwischen den radikalen und gemäßigten Kräften, daß man Mitte voriger Woche schon von einer Gegenkonferenz sprach.

Unterdessen sammelte sich die OAS, die von den USA geförderte „Organisation amerikanischer Staaten“ zum Angriff: Am 22. bis 24. September wollen die Außenminister der 19 Mitgliedstaaten in Washington zusammentreffen, um über gemeinsame Aktionen gegen Castros Guerillas zu beraten.