Der Einfluß von dem, was uns umgibt, ist stärker als alle Philosophie, er macht uns zum völligen Sklaven, sobald wir allen Trotz aufgeben.

Heinrich Laube

Unmoralische Oper

Bislang hatten vor allem Filme die Väter und Mütter der argentinischen beratenden Kommission für die moralische Qualifizierung von Theaterstücken schockiert. Nun hat sich die Zensur auch der Oper angenommen. Alberto Ginastera, der durchaus kein Musikrevolutionär ist, bekommt sie zu spüren: Sein „Bomarzo“, ein Stück über einen komplexbeladenen Renaissancefürsten mit magisch-diabolischen Zügen, einen Menschen, der um seine Männlichkeit bangt und Angst vor dem Tod zeigt, eine Oper, die im Juni in Washington uraufgeführt wurde, darf nicht ins Teatro Colon. Oberst Schettini, Bürgermeister von Buenos Aires, dekretierte „zum Schutz der öffentlichen Moral“ das Aufführungsverbot, da „die fünfzehn Szenen der Oper in obsessiver Form um Sex, Gewalttat und Halluzinationen kreisen“. Ihre Informationen bezog die ehrenwerte Kommission aus den Kritiken der amerikanischen Uraufführung.

Sozialistische Logik

An mehreren historischen Gebäuden, in Dresden haben umfangreiche Restaurierungsarbeiten begonnen: Am Johanneum, einem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, werden die Fassaden wiederhergestellt; das Palais im Großen Garten wird, da alle Bauunterlagen verloren sind, nach Photographien völlig erneuert; das Bergpalais im Schloß Pillnitz erhält ein neues Dach; außerdem haben die Vorarbeiten für den Wiederaufbau der berühmten Semper-Oper begonnen. Während man sich alle Mühe macht, Dresden ein wenig von seinem alten Glanz zurückzugeben, soll im an historischen Bauten nicht eben reichen Leipzig die Universitätskirche gesprengt werden.

Festliches Feuer

Europas Festspielsommer hat eine wertvolle Bereicherung erfahren: Vom 24. August bis zum 5. September findet in Cannes das erste Festival international du Feu d’artifice statt. Dem Feuerwerks-Festival angeschlossen ist ein Wettbewerb: Eine international besetzte Jury wird dem Sieger eine goldene Vestalin überreichen. Für Italien wird die Firma Parente, für Spanien Pirotecnia Zaragozana, für Japan Marutamaya schießen, die Japaner mußten, weil der Suezkanal gesperrt ist, ihre fünf Tonnen Explosivstoff bereits vor sechs Wochen auf die Reise schicken. Der 5. September ist der deutschen Firma Dynamit Nobel vorbehalten, und Frankreichs Ruhm wird abhängen von dem Spectacle pyrodramatique „Les sortileges de la mer“, dargeboten durch das seit 1739 feuerwerkende Haus Ruggieri und die Plattenfirma Pathe Marconi.