Nach zwei Monaten des Zögerns erklärte sich die Sowjetunion jetzt bereit, gemeinsam mit den USA der Abrüstungskonferenz in Genf in den nächsten Tagen den Text für einen Atomsperrvertrag vorzulegen, auf den sich der amerikanische Delegierte Foster und sein sowjetischer Kollege Roschtschin bereits am 5. Juni prinzipiell geeinigt hatten.

Die Einigung wurde dadurch möglich, daß der gemeinsame Entwurf den umstrittenen Kontrollartikel 3 des Vertrages ausspart und der Siebzehner-Konferenz zur endgültigen Formulierung überläßt.

Die Opposition gegen das Vertragswerk wächst. Der rumänische Vertreter in Genf nannte vier Bedingungen für seine Zustimmung, die Bukarests unabhängigen Kurs demonstrieren. Der Atomsperrvertrag soll Bestandteil eines Systems zur Abrüstung von Kernwaffen sein, gleiche Garantien für die Sicherheit aller Staaten enthalten und soll die friedliche Nutzung der Kernenergie nicht hindern, sondern sogar ausdrücklich sichern. Für das Kontrollsystem wird das Prinzip der Gleichheit gefordert.

Auch Brasilien setzte sich für die uneingeschränkte friedliche Atomnutzung ein. Die Tendenzen der Atommächte zu einer einseitigen Kontrolle bezeichnete es als „neue Form des Kolonialismus“.

Der italienische Außenminister Fanfani schlug den Kernwaffenmächten eine Reihe von Konzessionen vor. In Genf forderte er sie auf, spaltbares Material zu herabgesetzten Preisen an die Nichtatommächte zu verkaufen.