In unserem vorangegangenen „Gespräch“, meine verehrten Leser, hatte ich angeregt, trotz der Kurssteigerungen der jüngsten Zeit auch weiterhin die Bankaktien in die Anlagedispositionen einzubeziehen. Ihre Kurse werden aller Voraussicht nach zwar nicht wie Raketen nach oben ziehen (das scheint mir am ehesten bei Aktien von Gesellschaften möglich, die als besonders konjunkturgeschädigt gelten), Bankaktien dürften aber die Gewähr für einen soliden weiteren Anstieg bieten.

Die Banken haben sich immer noch nicht dazu durchringen können, ihren Aktionären und damit auch der interessierten Öffentlichkeit Zwischenberichte zu geben. Die Großbanken und die anderen Institute, die zur Publikation von Zweimonats-Bilanzen gezwungen sind, berufen sich auf diese Art der Unterrichtung, die sonst keine deutsche Aktiengesellschaft zu bieten hat. Die anderen Institute schweigen, als wenn die Forderung nach mehr Publizität sie nichts anginge.

Banken haben es nicht gern, wenn in ihren Aktien spekuliert wird. Sie sind zwar um eine gewisse Kurskontinuität bemüht, zögern aber nicht, ihre Kurse drastisch schwanken zu lassen, um spekulative Käufer oder Verkäufer abzuschrecken. Wenn Sie deshalb, meine verehrten Leser, Bankaktien kaufen wollen, so sollten Sie bei Erteilung des Auftrags genaue Kursvorstellungen äußern, damit Sie später nicht überrascht sind, wenn Sie pro Stück 10 bis 15 Mark mehr bezahlt haben, als Sie eigentlich wollten. Ob diese Art der „Kurspflege“ richtig ist, soll hier nicht erörtert werden. Der Bankaktionär muß sich auf solche Überraschungen einstellen.

Warum verdienen Bankaktien immer noch Aufmerksamkeit? Das Kreditgewerbe ist nicht konjunkturgeschädigt; im harten Jahr 1966 hat es insgesamt gesehen besser verdient, als die rückläufigen Steuerpositionen aussagen. Sie erinnern sich sicherlich daran, meine verehrten Leser, daß die Banken in den Bilanzen für 1966 ihr Kreditengagement besonders kritisch bewertet und Rückstellungen überall dort gemacht haben, wo auch nur ein Hauch von Risiko bestand. Schon heute läßt sich sagen, daß solche Vorsicht glücklicherweise in diesem Umfang nicht nötig war. Die vorgenommenen Wertberichtigungen werden in den kommenden Jahren wieder aufgelöst werden können, natürlich über die Gewinn- und Verlustrechnung, so daß – wenn sich nicht neue Krisenerscheinungen zeigen – die Ertragsrechnung von dieser Seite her eine mehr oder weniger kräftige Stützung erfährt.

Ausstrahlen auf die Gewinne kommender Jahre können auch die Kurssteigerungen, die sich in diesem Jahr auf dem Renten- und Aktienmarkt ergeben haben – und vermutlich noch ergeben werden. Die Bilanzen für 1965 und 1966 hatten die schwere Hypothek beträchtlicher Abschreibungen auf den Effektenbesitz zu tragen. Sie minderten den steuerpflichtigen Gewinn. Wenn nicht noch ein großes Unglück über uns hereinbricht, wird es 1967 keine Effektenabschreibungen geben, im Gegenteil, es haben sich sowohl bei den Aktien als auch bei den Renten stille Reserven eingestellt, die beim Verkauf der niedrig zu Buch stehenden Papiere zu steuerpflichtigen Gewinnen führen werden.

Selbstverständlich wird niemand den Wert derartiger stiller Reserven überschätzen. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, daß sie gerade dann dahinschmelzen, wenn es notwendig sein könnte, sie zu mobilisieren. Es ist aber davon auszugehen, daß der eine oder andere Posten in den kommenden Jahren mit beträchtlichem Gewinn veräußert wird, so daß auch von dieser Seite her eine Ertragsverbesserung eintritt.

Das Hauptproblem für die Abschlüsse des laufenden Jahres besteht darin, inwieweit es den einzelnen Instituten möglich sein wird, den Einnahmeausfall, der sich aus der gegenüber 1966 wesentlich verringerten Zinsmarge ergibt, zu kompensieren. Banken mit starkem Effektenzweig werden einen Teilausgleich im Emissionsgeschäft und in den Effektenprovisionen finden. Bei steigenden Kursen ist es überdies möglich, mit Hilfe kurzfristiger Engagements Kursgewinne zu erwirtschaften.