Zum drittenmal in der amerikanischen Finanzgeschichte mußten die New Yorker Börse und fünf Provinzbörsen die Börsenstunden verkürzen. Seit Dienstag voriger Woche und vorerst bis Freitag, den 18. September, sind die Börsen statt fünfeinhalb nur noch vier Stunden täglich geöffnet.

Die Verkürzung der Börsenstunden wurde von den Maklern verlangt, weil sie die Arbeit nicht mehr bewältigen konnten. Gegenwärtig dauert es manchmal Wochen, bis ein Aktienkauf eingetragen und bescheinigt ist. Allein in der ersten Augustwoche wurden 60,7 Millionen Aktien umgesetzt. Das war die doppelte Menge wie in der gleichen Vorjahrswoche und der größte Umsatz in der Geschichte der Wall-Street. Der Dow Jones-Index für Industriewerte stieg in der sonst flauen Sommerzeit allein am Mittwoch (9. August) um 4,72 auf 926,72 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 1966. Der Marktwert aller Aktien, die in Wall Street gehandelt werden, hat mit 666 Milliarden Dollar sogar einen absoluten Spitzenstand erreicht.

So brachte auch die 90-Minuten-Kürzung den Maklern keine Erleichterung. Die Kauforders, die die Kundschaft vorher in fünfeinhalb Stunden aufgab, werden nun auf vier Stunden konzentriert.

Die Umsätze an der New York Stock Exchange haben sich gegenüber dem vergangenen Sommer verdoppelt; bei der American Stock Exchange stiegen sie sogar um 216 Prozent. 1966 wurden an der New Yorker Börse im Durchschnitt täglich 7,5 Millionen Anteile gehandelt. 1967 waren es bisher 10,0 Millionen. Dieses Volumen hatten die Experten nicht vor 1970 erwartet.

Die Zahl der Aktienbesitzer in den USA hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt. Sie stieg von 8,63 Millionen 1956 auf 22 Millionen in diesem Jahr. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der eingetragenen Aktien von 4,46 Milliarden auf 11,32 Milliarden erhöht.

Die Nachfrage dieses Sommers traf die Makler unvorbereitet. In Wall Street hatte man erwartet, daß die bei vielen Unternehmen sinkenden Gewinne die Amerikaner vom Aktienkauf abhalten würden. Aber die optimistischen Prognosen für 1968 und die Furcht vor inflationären Preissteigerungen heizen die Hausse weiter an.

Für die etablierten Makler ist der gegenwärtige Käuferansturm ein gewaltiges Geschäft. Wer daran teilnehmen möchte, muß einem der zugelassenen Makler seinen Sitz abkaufen. Der zuletzt dafür bezahlte Preis betrug 400 000 Dollar. rod.