Der Paukenschlag des Versandhauses Neckermann hatte sechs Wochen später ein starkes Echo: Auf dem Markt für Farbfernsehgeräte ist ein harter Preiskampf ausgebrochen.

Die Hersteller waren mit dem Auftakt zufrieden. Nach Schätzungen von Philips sind in deutschen Haushalten bis heute zwischen 4000 und 5000 Geräte montiert, obwohl das Farbprogramm noch bis zum 25. August auf sich warten läßt. 20 000 bis 25 000 Geräte hat der Handel als Erstausstattung abgenommen.

Telefunken: „Wir hätten mehr Geräte produzieren können. Es gibt keine Lagerbildung.“

Der Handel scheint weniger mit der Entwicklung zufrieden. „Kein Mensch kauft die Dinger“, hieß es bei einem Großunternehmen.

Für Farbfernseher hat die Industrie die Preisbindung wieder eingeführt. Die billigsten Geräte kosten fast 2400 Mark. Nur Neckermann verkauft unter 2000 Mark.

Letzte Woche kam der Stein ins Rollen:

  • Die Ratio-Gruppe Terfloth und Snoek bot in ihren Verbrauchermärkten Farbfernseher für 1990 Mark an, rund 400 Mark unter den festgelegten Preisen. Die Siemens- und Graetzgeräte sollen ohne Preisbindungsklausel aus dem Ausland bezogen worden sein.
  • Das Versandhaus Quelle bot Kuba-Geräte zum gleichen Preis an. Kommentar: „Unser Lieferant ging keine Preisbindungsklausel ein.“
  • Die Kaufhauskonzerne reagierten blitzartig und setzen für ihre regulär mit Preisbindungsklausel eingekauften Kuba-Geräte die Preise ebenfalls auf 1990 Mark herunter. Kommentar: „Wir mußten schnell darauf reagieren, daß die Preisbindung lückenhaft geworden war. Es kam wie eine Lawine über uns.“