Von Michael Jungblut

Der nächste Aufschwung kommt bestimmt. Die Gewinne werden wieder steigen und die Lohntüten voller sein als jemals zuvor.

Es ist noch nicht lange her, daß Wirtschaftsminister Schiller nur skeptische Gesichter sah, wenn er so hoffnungsfrohe Botschaften verkündete. Klappern gehört zum Geschäft, hieß es dann. Inzwischen redet man aber landauf und landab die Hälse, um den Silberstreif am Horizont zu entdecken. Berufene und weniger Berufene prophezeihen bereits einen neuen Wirtschaftsfrühling. „Wir kriegen die Kurve“, jubelte die Bild-Zeitung.

Sollte diese Hoffnung nicht trügen und die Talfahrt wirklich beendet sein, so wäre es an der Zeit, sich umzusehen, um festzustellen, wer dabei auf der Strecke geblieben ist. Für viele kommt der Aufschwung zu spät. Im ersten Halbjahr 1967 wurden in der Bundesrepublik 2246 Firmen zahlungsunfähig, gegen 1611 Insolvenzen im gleichen Vorjahreszeitraum. Darunter waren diesmal 2018 Konkurse. Nur 133 davon waren sogenannte Millionenkonkurse.

Zu den Opfern des wirtschaftlichen Krebsganges gehörten also vor allem die mittelständischen Unternehmen der Industrie und des Handels. Kein Wunder. Wer schon in Zeiten preistreibender Übernachfrage der Verbraucher und des Staates mit Schwierigkeiten kämpft und um seine Existenz bangt, den muß jeder konjunkturelle Rückschlag in Angst und Schrecken versetzen. Seit Jahren sind die mittelständischen Betriebe die bevorzugten Opfer des auch im Wachstum sich vollziehenden Strukturwandels.

Die Schuld an dieser Entwicklung geben die meisten der betroffenen Mittelständler den Großbetrieben der Industrie und des Handels, die angeblich systematisch ihre Existenz untergraben. „Im Griff der Konzerne – Krise einer Mittelschicht“, heißt denn auch bezeichnenderweise ein Buch von Ingeborg Zaunitzer-Haase, das sich mit der Existenzangst der kleinen und mittleren deutschen Einzelhändler auseinandersetzt.

Neben der Angst muß den mittelständischen Unternehmer auch der Neid erfassen, wenn er sieht, daß die gefürchteten Großunternehmen nicht nur im Wirtschaftswachstum auf der Sonnenseite stehen, sondern auch in der Krise den längeren Atem haben. Da ist zunächst das dickere Kapitalpolster, mit dessen Hilfe sie zur Not auch eine längere gewinn- und auftragsschwache Periode durchstehen können. Ihre Exporterfahrung erleichtert ihnen außerdem ein Ausweichen auf die Auslandsmärkte.