John Lennon und Paul McCartney: „All You Need Is Love – Baby, You’re A Rich Man“; The Beatles; Parlophone R 5620, 4,75 DM.

Sergeant Peppers Lonely Hearts Club Band spielt weiter: Wenn die Beatles, wie Heinz Josef Herbert in dieser Zeitung kürzlich vermutet hat, den Abstieg proben, dann mit Ausdauer, Phantasie und Freude. Und die Fans, von denen sich, wie der Spiegel vermutete, die Beatles mit ihrem Sergeant-Pepper-Album so weit entfernt haben wie mit keinem zuvor, werden dieser Musik dennnoch nicht müde.

Sie hätten dazu auch noch nie weniger Grund gehabt als gerade jetzt, denn die Beatles sind dabei, ihren zweiten Aufstieg, der mit „Revolver“ begann, sich mit „Penny Lane“ fortsetzte und mit dem Sergeant-Pepper-Album einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, zu vollenden: Ihre neue Single könnte durchaus sein, was „Please please me“, der erste Beatles-Hit, einmal war – die Ankündigung einer neuen Musik. Der Titel „All You Need Is Love“ beginnt mit den ersten Takten der Marseillaise, und in der Collage, mit der er ausklingt, tauchen, noch eben hörbar, ein paar Takte jener alten Beatles-Nummer auf, die der ersten Beatles-Ära einen ihrer Namen gab: She loves you yeah, yeah, yeah! Das Zitat deutet die Distanz an: Nicht von ihren Fans haben sich die Beatles entfernt, sondern von ihren Anfängen.

Der Titel selbst ist nicht weniger programmatisch: Er liefert den Text und die Musik zu einer zentralen und nur scheinbar banalen Maxime der Hip-Generation – man sollte den Ernst nicht unterschätzen und nicht verachten, den diese verwandelten Nachfahren der Beat-Generation noch einmal in den vielleicht wieder zum Scheitern verurteilten Versuch investieren, ihre Beziehungen untereinander und zu ihrer Umwelt mit Liebe zu regeln. Die Beatles sagen: It’s easy, es ist leicht.

Der zweite Titel, „Baby, You’re A Rich Man“, bringt die Verheißung des neuen Glücks; die Frage, die er steht, ist rhetorisch: How does it feel to be wie of the beautiful people, was ist es für ein Gefühl, zu uns zu gehören, ein Hippie zu sein. Die Musik der Beatles hat kultische Züge angenommen.

Uwe Nettelbeck