Sehr sehenswert:

„Tätowierung“, von Johannes Schaaf nach einem Drehbuch von Günter Herburger: die Geschichte eines in Familienobhut genommenen Fürsorgezöglings, die für den fürsorglichen Onkel-Pflegevater letal endet. In Farbe und hart an der Mauer gedreht: ein junger deutscher Film trotz allem.

„Blow Up“, von Michelangelo Antonioni. dem nun nicht mehr viel passieren kann: Die Tore Hollywoods stehen ihm nach diesem Film über London für einen Film über die Vereinigten Staaten offen. Die Geschichte des Modephotographen Thomas, der meint, Zeuge eines Mordes geworden zu sein. Obwohl der Darsteller der „Leiche“ in einem Interview seine Echtheit behauptet und den durch den Film geisternden Mörder denunziert hat: Nicht ein Mord und seine Aufklärung interessierte Antonioni, sondern die Veränderungen in Thomas, der durch die Mordphotos einen Aspekt seiner Arbeit begreift.

Sehenswert:

„Persona“, von Ingmar Bergman. Dialog zwischen zwei Frauen, die in Wahrheit die gegensätzlichen Aspekte ein und derselben Person darstellen. Ihr vergebliches Ringen um Identität, um ein sicheres Verhältnis zum Leben, zum Anderen, zum Geschlecht Paralipomena zu Bergin ans früheren Filmen, besonders zur Trilogie („Wie in einem Spiegel“, „Licht im Winter“ und „Schweigen“). Gott schweigt und Bergman redet.

„Das Insektenweib“, von Shohei Imamura. Gekürzte und teilweise irreführend synchronisierte Fassung eines nahezu brechtischen Films aus Japan. Trotz des Fehlens mehrerer dokumentarischer Einblendungen, eines rezitativen Sprechgesangs und der von japanischen Kritikern als subtil gerühmten Dialektfärbung läßt sich an der Chronik einer modernen Mutter Courage gelungene filmische Verfremdungstechnik studieren. Die Bekanntschaft mit dem offenbar interessantesten jungen japanischen Regisseur soll demnächst ein weiterer I’ilm im bundesdeutschen Verieihangebot erneuern.

Nächste Woche im Fernsehen: