Mark Twain schrieb in seiner Abhandlung „Ganz bestimmt gibt es keine andere Sprache, die so ungeordnet und unsystematisch, so schlüpfrig und unfaßbar ist; man treibt völlig hilflos in ihr umher, hierhin und dahin; und wenn man schließlich glaubt, man hätte eine Regel erwischt, die festen Boden böte, auf dem man inmitten der allgemeinen Unruhe und Raserei der zehn Wortarten ausruhen könne, blättert man um und liest: ‚Der Schüler beachte sorgfältig folgende Ausnahmen.‘ “

Der boshafte Mark Twain spricht immer noch für viele Ausländer, die sich dem Umgang mit der deutschen Sprache nicht gewachsen fühlen, und vor allem für viele seiner Landsleute.

Daß das Deutsche aber dennoch eine durchaus lehr- und lernbare Sprache ist und daß es unter den Sprachen dieser Welt einen recht ansehnlichen Platz einnimmt, bewiesen jetzt in München mehr als achthundert Deutschlehrer aus dem In- und Ausland, die der Einladung der „Föderation Internationale des Professeurs de Langues Vivantes“ und des Goethe-Instituts zur ersten Internationalen Deutschlehrer-Tagung gefolgt waren.

Diese Lehrer aus vierundvierzig Ländern der Welt – von USA bis VAR – führten auf eindrucksvolle Weise vor, was es heißt, eine gemeinsame Sprache zu sprechen und nicht auf Dolmetscher angewiesen zu sein.

Die Berechtigung für eine solche Tagung, die schließlich ja nicht nur ein mehr oder weniger privates Unternehmen, sondern eine Demonstration nach außen und damit also auch ein Politikum ist, lag in den vorsichtig artikulierten Sätzen, mit denen der Direktor des Münchener Goethe-Instituts Werner Ross die Frage beantwortete: „Ist Deutsch noch eine Weltsprache?“

„jede Sprache lebt durch den in ihr sich äußernden Geist. Der Staat mag manches Förderliche für ihre Verbreitung tun ... Trotzdem, ob Deutsch noch eine Weltsprache ist, ob es eine Weltsprache bleibt, wird nicht von den vielen hunderttausend Menschen entschieden, die es lernen, um in Touristik und Technik, in Wirtschaft und Wissenschaft davon zu profitieren, sondern von den lebendigen Geistern, die es hier und heute, im Deutschland von 1967, frischhalten, erneuern, mit Aussagekraft erfüllen und die es damit für die anderen lesenswert und lebenswichtig machen.“

Die Aufgabe, das Deutsche für andere lesenswert zu machen, ist keine ideologische Angelegenheit, sie hat nichts zu tun mit der Politik des „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“. Gegen solche Therapie hat sich die Welt kräftig und mit Erfolg zur Wehr gesetzt. Aber: „Wenn die Welt nicht von heute auf morgen geeint wird, wenn der Polyzentrismus ihr Kennzeichen heute und morgen bleibt, dann kann es daraus nur eine Konsequenz geben: daß wir ... in den Wettkampf der Kulturen treten, des wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritts, der Schul- und Produktionssysteme, des friedlichen Kräftemessens vom Filmfestival bis zum Fußballwettkampf, und in diesem Sinne auch in den Konkurrenzkampf der Sprachen.“ Daß bei uns, im Gegensatz etwa zu Frankreich, für diesen Wettkampf vor allem von Seiten der Regierungen noch nicht genügend getan wird, es auch hier überall an Geld und Initiative fehlt – das machte die Münchner Tagung am Rande deutlich.