Wenn die Selbstzufriedenheit des Bauernverbandes und seines Präsidenten Edmund Rehwinkel überhaupt noch zu erschüttern ist, dann müßte die Kritik des Agrarpolitischen Studienkreises in Prien endlich einmal zur Überprüfung der bisherigen Verbandspolitik führen. Der Studienkreis, dem Landwirte, Wissenschaftler und Vertreter landwirtschaftlicher Behörden angehören, tritt in seinem jüngsten Agrarbrief für einen Wechsel in der Leitung des Bauernverbandes ein.

Auch von dieser gewiß nicht bauernfeindlichen Seite wird festgestellt, daß die Führer des Verbandes sich als unfähig erwiesen haben, die Interessen der deutschen Landwirte wahrzunehmen. Insbesondere hätten sie es versäumt, die Bauern durch wahrheitsgemäße Informationen über die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen der Umwelt auf eine eigenverantwortliche, unternehmerische Gestaltung der Zukunft vorzubereiten.

Statt dessen hat der Bauernverband seine Politik darauf ausgerichtet, möglichst jede Kümmerexistenz zu erhalten und den Landwirt zum belächelten und lästigen Kostgänger des Steuerzahlers zu machen. Statt Aufklärung über die wirtschaftlichen Realitäten bot er seinen Mitgliedern nur Demagogie.

Die Bauern sind ein Bestandteil unserer Bevölkerung und unserer Wirtschaft. Niemand würde den Milliarden nachtrauern, die bisher zur Subventionierung der Landwirtschaft aufgewendet wurden, wenn man wüßte, daß sie wirklich nur dazu dienen, die deutschen Bauern wettbewerbsfähig zu machen. Auf dem Weg zu einer Gesundung der Landwirtschaft haben sich die Führer des Bauernverbandes mit ihrer Blut- und Bodenideologie bisher aber nur als Hemmschuh erwiesen. Daß dies jetzt auch einmal von einer ebenso neutralen wie fachkundigen Seite gesagt wurde, ist erfreulich. mj.