Von Kurt Wendt

Als die Börsenmakler am Montag die Schlußkurse anschrieben, atmeten die Bankdirektoren erleichtert auf: Es hatte keinen zweiten „goldenen Montag“ gegeben, wie man verschiedentlich gemunkelt hatte; die Banken hatten die Entwicklung wieder fest im Griff.

Der „goldene Montag“ datiert auf den 7. August, als in den westdeutschen Börsensälen die Kurse so große Sprünge nach oben machten, wie seit den hektischen Tagen des Jahres 1960 nicht mehr.

Auf einen solchen Ansturm waren die Banken nicht gefaßt gewesen. Schließlich befand man sich noch in der Ferienzeit, die für Börse immer als Saure-Gurken-Zeit gilt. Obwohl auch der letzte Mann für die Wertpapierabteilungen mobilisiert wurde, brannten in den Bank-Kontoren die Lichter bis weit nach Mitternacht. Urlauber wurden telegraphisch zurückbeordert.

„Wir nehmen nur noch Kaufanträge an, von Beratung kann keine Rede mehr sein“, klagten die Männer an den Effektenschaltern.

In diesen Tagen blühte der Weizen der Spekulanten. Sie schwammen im Fahrwasser der „Informationsdienste“, die für einzelne Papiere Kurssprünge von 100 Punkten und mehr voraussagten. Man tippte an der Börse schließlich nicht mehr einzelne Papiere, sondern Aktien, die von den Informationsdiensten vielleicht getippt werden würden. Es wurde „vorgekauft“, um dem Publikum diese „Ware“ dann zu höheren Kursen verkaufen zu können. Mitunter schien es, als wäre jeglicher Maßstab für die Realitäten verlorengegangen.

Doch nun, nachdem der erste hektische Spuk vorbei ist, nachdem die Kurse in den letzten Tagen der vorigen Woche zeitweilig auch wieder zurückfielen, sind die Banken entschlossen, die weitere Aufwärtsbewegung in geordnete Bahnen zu lenken. Noch einige „goldene“ Tage – und das Geschäft wäre für Monate kaputt, da niemand mehr den Mut finden würde, zu so hohen Kursen „einzusteigen“; der zwangsläufige Rückschlag hätte die Aktiensparer erneut verschreckt.