Präsident Johnson hat die amerikanischen Kriegsanstrengungen in Vietnam weiter verstärkt: Er ermächtigte den Oberbefehlshaber im Pazifik, Admiral Sharp, 150 Ziele in Nordvietnam zu bombardieren, die bislang von Luftangriffen verschont geblieben waren.

Nun rückte der Bombenkrieg bis auf wenige Kilometer an die chinesische Grenze heran. Auch wurde der Befehl aufgehoben, der gewisse Ziele in Hanoi und Haiphong von Luftangriffen ausgespart hatte.

Mit seiner Anweisung, den Luftkrieg auszuweiten, verstrickte sich Johnson noch mehr in die Auseinandersetzung zwischen den „Falken“ und den „Tauben“ im amerikanischen Kongreß. Der republikanische Fraktionsführer im Repräsentantenhaus, Ford, hatte erst in der vorigen Woche behauptet, daß bislang „mehr als hundert vitale“ Feindziele unversehrt geblieben seien – darunter die meisten Luftabwehrzentralen, drei Viertel der Öllager, ein Drittel der Kraftwerke, 60 Prozent des Verkehrsnetzes, alle Kanalschleusen und 90 Prozent der Rüstungsindustrie.

Ford verlangte, daß kein einziger Gl mehr zur Verstärkung nach Vietnam gehen dürfe, ehe Johnson nicht die Beschränkung für den Luftkrieg aufhebe. Der Abgeordnete wurde unterstützt von etlichen Senatoren, die sich in einem Wehrausschuß, der die Wirksamkeit des Bombenkrieges untersuchen soll, die Aussagen Admiral Sharps angehört hatten.

Dagegen formulierte der demokratische Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat, Fulbright, erneut seine vehemente Kritik an der Vietnam-Politik der USA, die heute als „Symbol der Gewalt und der undisziplinierten Macht“ in Erscheinung träten.

Fulbright sagte: „Der Vietnam-Krieg zehrt nicht nur an den menschlichen und materiellen Grundlagen unserer schwelenden Städte, er nährt nicht nur in den Negerslums die Überzeugung, daß das Land gleichgültig gegen ihre Lage sei. Der Krieg verstärkt vielmehr die Idee von der Gewalt als einem Weg für die Lösung von Problemen.“

„Wenn uns Außenminister Rusk erzählt, daß nur der Bombenregen den nordvietnamesischen Präsidenten Ho Tschi Minh zur Vernunft bringen könne, warum soll dann das gleiche Prinzip nicht auch im eigenen Lande gelten?“ Die Ausdehnung der Luftangriffe nannte Fulbright „sehr gefährlich und äußerst dumm“.