Die Vertreterin einer neuen Generation kleiner Verkehrsflugzeuge soll das vollenden, was den Besitzern einer früheren nur rote Zahlen in der Bilanz bescherte: innerdeutschen Luftverkehr, der mit hoher Zuverlässigkeitsrate schnell und sicher wirtschaftlich interessante Zentren verbindet.

Die französische Nord 262, ausgerüstet mit zwei Propellerturbinen und fähig, 26 Passagiere mit einer Reisegeschwindigkeit von über 360 Kilometer in der Stunde zu befördern, wird das Beförderungsmittel sein, die Strecke Düsseldorf–Saarbrücken, die Modellinie, an der die Initiatoren erkennen wollen, ob in der Bundesrepublik für diese Art Verkehr nun endlich die Zukunft begonnen hat.

Die LTU, Düsseldorfer Bedarfsluftfahrtunternehmen, wird das Flugzeug stellen, das Land Nordrhein-Westfalen das Unternehmen subventionieren, bis es sich selbst auf eigenen Flügeln halten kann. Im Ministerium in Düsseldorf hofft man zuversichtlich, daß sich das Saarland ebenso an der Überwindung der Durststrecke beteiligt wie auch, daß die LTU in einigermaßen absehbarer Zeit nicht mehr auf Subventionen angewiesen sein wird.

Die bisherigen Erfahrungen mit Regionalverkehr lassen hoffen. Bereits seit einigen Jahren wird „innerdeutsch“ geflogen, nur war bei dem zuerst verwendeten Fluggerät – vor allem die siebensitzige Maschine vom Typ „Queen Air“ – von Anfang an nicht damit zu rechnen, daß es seinen Besitzern je Verdienst bringen würde. Immerhin zeigte es sich, daß mit einer brauchbaren Zuverlässigkeitsrate gerechnet werden konnte.

Wesentlich wirtschaftlicher, dafür aber zu groß ist das Flugzeug, mit dem die LTU zur Zeit die Strecken Düsseldorf–Hannover, Düsseldorf–Bremen und Düsseldorf–Rotterdam betreibt. Sie setzt die maximal 44sitzige Fokker F-27 „Friendship“ ein, mit der im Schnitt pro Flug dreizehn Passagiere befördert werden konnten. Diese Zahl ist für die Nord 262 schon wesentlich attraktiver, denn sie bedeutete eine fünfzigprozentige Auslastung. Noch wird der Linienverkehr Düsseldorf–Saarbrücken ein Versuch sein. Wenn er sich lohnt, wird er beibehalten. Eröffnung der Flugstrecke: 21. August.

Des innerdeutschen Luftverkehrs vorerst letztes Flugzeug soll die Nord 262 aber auch nicht sein. In Düsseldorf wird für die fernere Zukunft bereits ein deutsches Muster in Erwägung gezogen – das zweistrahlige Kurzstrecken-Verkehrsflugzeug VFW 614, das sich zur Zeit in Bremen in der Entwicklung befindet.

Kurt Trettner