„Johann Heinrich Schönfeld“ (Museum Ulm): Die deutsche Kunst des 17. Jahrhunderts ist weitgehend, mit einem modernen Ausdruck, Exilkunst. Daraus resultiert unter anderem die Schwierigkeit, dieses Jahrhundert zu rekonstruieren. Ein Maler wie Schönfeld ist, wenn überhaupt, summarisch als „Barockmaler“ bekannt, tätig über fast zwei Jahrzehnte in Italien, Vertreter des „Neo-Venezianismo“ in der Malerei. Es ist der Ehrgeiz von Dr. Herbert Pée, dem Leiter des Museums in Ulm, diese, wenn nicht verschollene, so doch verschwommene Persönlichkeit des J. H. Schönfeld zur Diskussion zu stellen.

Ausstellungen wie die in Ulm haben eine doppelte Absicht, sind zum einen das Terrain wissenschaftlicher Forschung; erfreuen zum anderen den Kunstliebhaber: durch zweckfreies Sehen. Es ist eine Malerei, die zumeist auf gebrochenen, durchlichteten Farben, Lokalfarben beruht, Figuren, in klassischer oder biblischer Szenerie tätig, die eher dem Rokoko als dem Barock zuneigen. Der Maler und Kunstschriftsteller Joachim von Sandrart hatte dies bereits 1675 bemerkt: „Seinem hurtigen Pinsel vergesellte sich eine ungemeine gratia, unserm Schönfeld hat sie sich gleichsam verlobet.“

Diese Verlobung mit der Grazie fand in Italien statt, in Rom wurde er (der ganz in der Nähe Ulms, in Biberach an der Riß, 1609 geboren wurde und 1682/83 in Augsburg gestorben ist) in die Künstlervereinigung Schilderbent aufgenommen, sein Künstlername war Triangel, später arbeitete er in Neapel. Poussin und nicht das römische Hochbarock stand dem Maler nahe.

Als Schönfeld 1651 nach Deutschland zurückkehrt – ein durch den großen Krieg verödetes Land – scheint jeder Glanz seine Malerei verlassen zu haben. Immerhin kommt es späterhin zu einer „großen ,deutschen’ Zeit“, die zu belegen es in Ulm jedoch keine Chance gab, da die Leihgaben, zunächst zugesagt, nicht bereitgestellt wurden. So sind wichtige und für die Werkanalyse unentbehrliche Bilder aus Leningrad, Dresden, Potsdam, Dessau und anderen Orten in der Ausstellung nur als Photos vorhanden.

Besser als bei der recht unergiebigen Ausstellung deutscher Maler und Zeichner aus dem 17. Jahrhundert, die 1966 in Berlin gezeigt wurde, ergibt sich in Ulm trotz der Einschränkungen eine Möglichkeit, den Wert, die Bedeutung eines Künstlers dieser Zeit zu erkennen und zu klassifizieren. (Bis zum 17. September.) Jürgen Claus „Günther. Knipp“ (Hamburg, Galerie Helmut von der Höh): Seit 1963 hat der Münchner Maler und Graphiker Günther Knipp regelmäßig am Kunstpreis der Jugend teilgenommen. Er hat bisher zwar keine Preise geerntet, aber sich als ein bemerkenswertes Talent erwiesen, weil er den Neuen Realismus, der aggressiv und lautstark in Erscheinung tritt und dem Betrachter brutale Details entgegenschleudert, um eine ausgefallene Variante bereichert hat. Unfähig, sich der Faktizität seiner Umwelt zu entziehen, die ihn als Großstädter, Straßenpassanten, Fernseher, als Partner und Zuschauer von „Begegnungen“ überrumpelt, begnügt er sich damit, die Spuren des Geschehens nervös und sensibel aufzuzeichnen: ein schüchterner Realist.

Bei den ausgestellten Pastellen und Zeichnungen – bis Ende August in Hamburg, später in der Wuppertaler Galerie Porta – führt diese Methode zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das Pastell ist, nicht nur für Knipp, ein gefährliches Medium. Was er als Stadt und Straße artikulieren möchte, verflüchtigt sich im vagen Lyrismus sanft getönter blauer Farbgründe. Auch einem konkreten Thema wie „Fernsehen“ ist mit unbestimmten Andeutungen, die jede Stellungnahme und visuelle Prägnanz vermissen lassen, nicht beizukommen. Dagegen findet man unter der Zeichnungen hervorragende Blätter. Von allem die Einzel- und Doppelporträts sowie die Interieurs mit sitzenden und stehender Figuren fixieren eine subjektive Realität, beschreiben den unentschieden vieldeutiger ersten Eindruck mit einer ihm kongruenter graphischen Akkuratesse. Gottfried Sello