Der sowjetische Ministerpräsident Kossygin unterbrach seinen Urlaub und richtete ein ultimatives Telegramm an den chinesischen Ministerpräsidenten Tschu En-lai. Darin drohte er mit dem Abbruch der sowjetisch-chinesischen Handelsbeziehungen.

Grund für die Empörung Kossygins: Rotgardisten hatten im chinesischen Hafen Dairen den Sowjet-Frachter „Swirsk“ gestürmt, die Einrichtung demoliert und die Besatzung mißhandelt, nachdem sich der zweite Steuermann geweigert hatte, ein Abzeichen mit dem Bild Mao Tsetungs anzustecken. Drei Wochen lang wurde das Schiff in Dairen festgehalten und erst unter dem Druck des Kreml-Ultimatums wieder freigegeben.

Auch in Italien kam es zu einem Schiffszwischenfall: Der chinesische Frachter „Liming“ lief in den Hafen von Genua ein – geschmückt mit zahllosen Mao-Transparenten. Der Kapitän wurde aufgefordert, wegen „unerwünschter politischer Propaganda“ den Hafen zu verlassen. Statt dessen schwenkte die Besatzung die roten Bücher mit Mao-Zitaten.

Daraufhin entschloß sich die Hafenleitung, eine Art Belagerungszustand über den Frachter zu verhängen. Ein Beamter erklärte: „Erst Plakate entfernen, dann frisches Wasser. Sonst nichts.“