Lieber Boß, ich bin richtig froh, daß ich endlich für Sie und damit für Ihren „Nachrichtendienst“ arbeiten darf. Unter dem Nachrichtendienst einer Zeitung hatte ich mir früher törichterweise so etwas wie journalistische Arbeit vorgestellt und mich dadurch abschrecken lassen. Jetzt weiß ich Bescheid! Boß: Sie brauchen Begabungen wie mich, gerade jetzt, wo so manche, die Sie für Ihre Helfer hielten – und darum mehr ehrenamtlich für sich arbeiten ließen – zum Feinde übergelaufen sind, weil es diesen Leuten nur um den schnöden Mammon ging.

Ihnen, lieber Boß, aber geht es doch in erster Linie darum, unser Fernsehen noch besser zu machen, weshalb ein Verleger-Fernsehen entstehen soll, an dem Sie nur als ein kleiner Verleger unter vielen anderen kleinen Verlegern beteiligt wären. Und da bin ich, wenn dieses Wort hier angebracht ist, Ihr Mann! Schon weil ich mich bereits am Einsatzort, also in der Festung Mainz befinde – in einer Vertrauensstellung. Ich bin die rechte Hand von Z. und wickele ihn bereits um den kleinen Finger. Z. zittert bereits! Aber wer zittert hier am Sender nicht, seit man weiß, wie ernst es Ihnen ist mit Ihrem Ziel: Sauberkeit im Deutschen Fernsehen, und seit man weiß, daß Sie vor keinem Mittel zurückschrecken, um es zu erreichen.

Ich möchte Ihnen einen kleinen Einblick in meine Arbeit geben. Hier Auszüge aus meinem Tagebuch:

Montag: H. dabei ertappt, wie er sein Büro nach Geheim-Mikros untersuchte. Was hat er zu verbergen? Vielleicht was Politisches. War der nicht mal früher was? Aber was? Der Mann macht Sendungen für junge Menschen, ist also sehr gefährdet!

Dienstag: Br. wurde mit Ts. gesehen. In einer Bar. Tanzend! Zu Hause warten eine Frau und fünf Kinder auf ihren Ernährer. Diese Meldung ist dem Boß hoffentlich ihre 50 Piepen wert.

Mittwoch: Wichtiges Material über Er, von der Musikabteilung abgelichtet. Dort geht es vielleicht zu! Das sollte das Publikum vom ZDF erfahren. Oder wenigstens Peter Boenisch.

Donnerstag: Hier traut keiner dem anderen mehr. Wie die überhaupt noch eine Sendung auf die Beine bekommen! Aber die sind ja jetzt auch danach. Schon deshalb brauchen wir ein Verleger-Fernsehen.