Mit der in der Vorwoche verfügten Senkung der Mindestreserven der Banken werden rund 900 Millionen Mark für den Kreditapparat frei. Sie sollen, so hoffen jedenfalls Bundesbank und Bundesregierung, den Absatz der zur Finanzierung der Eventualhaushalte ausgegebenen Kassen-Obligationen erleichtern. Außerdem dienen diese Millionen als Spritze für den Rentenmarkt, dessen Kurse – soweit es die öffentlichen Emissionen angeht – von der Bundesbank gestützt werden mußten. Tatsächlich hat sich der Druck auf die Kurse in den letzten Tagen verringert. Eine Tendenzwende, also Ansätze für eine neue Zinssenkung, ist jedoch nicht zu bemerken.

Jetzt will man es wieder mit dem schon mehrfach erprobten Mittel der Austrocknung versuchen. Wenn die 6 1/2prozentige Anleihe des Landes Berlin placiert ist, bekommt der Rentenmarkt eine Ruhepause verordnet. Nicht gerade zur Freude der Kapital suchenden Länder, der Bundespost und der Bundesbahn. Sie umgehen den stillen Emissionsstopp, indem sie verstärkt Schuldscheindarlehen anbieten, deren Konditionen günstiger sind als die der Neuemissionen. Kein Wunder, wenn sich die großen Kapitalsammelstellen, in diesem Falle die Versicherungen, vom Rentenmarkt fernhalten. Die Banken sind mit festverzinslichen Papieren reichlich eingedeckt und halten Platz frei für nicht an die Kundschaft sofort absetzbare Posten der Neuemissionen.

Die privaten Zeichner sind „rentenmüde“ geworden, seitdem die Aussicht auf steigende Kurse vorerst zunichte wurde. Überdies bietet der Aktienmarkt gegenwärtig die besseren Chancen.

K. W.