Mit einem „Anflug von Optimismus“ reiste der jugoslawische Staatspräsident Tito nach Kairo, um seinen persönlichen Freund Nasser zu Mäßigung und Realismus zu bewegen.

Das Gepäck Titos enthielt einen Plan, der den Nahen Osten auf der Basis des quid pro quo Frieden bringen soll. Inhalt: 1. Rückzug der Israelis aus den besetzten Gebieten; 2. Garantie der israelischen Grenzen durch de Vereinten Nationen oder die vier Großmächte; 3. Öffnung des Suezkanals auch für israelische Schiffe (unter UN-Flagge); 4. ägyptische Souveränität im Golf von Akaba, aber freie Passage für die Israelis nach Eilat; 5. Entschädigung der Palästinaflüchtlinge.

Mit diesem Paket-Plan rückte Tito von einem Resolutionsentwurf ab, den die Jugoslawen im Namen verschiedener „blockfreier Staaten“ Anfang Juli der UN-Vollversammlung unterbreitet hatten. Statt dessen schwenkte er auf die Linie der beiden Großmächte ein.

Der jugoslawische Resolutionsentwurf hatte noch einen Rückzug der Israelis ohne gleichzeitige Gegenleistung der Araber gefordert. Nach dem Gipfeltreffen von Glassboro zwischen US-Präsident Johnson und dem sowjetischen Ministerpräsidenten Kossygin waren Sowjets und Amerikaner jedoch übereingekommen, den israelischen Rückzug mit einer Existenzgarantie für den Staat Israel zu koppeln.

Vor seiner Reise an den Nil wurde Tito durch einen Brief Johnsons und durch eine „dringende Botschaft“ aus Moskau in seiner Maklerrolle bestärkt. Doch in Kairo empfingen den Jugoslawen martialische Töne. Die offiziöse Zeitung „Al Achram“ meinte: „Nur ein Wunder dürfte die Rückkehr zum Schlachtfeld verhindern.“

Die Gespräche mit Nasser verliefen denn auch nicht reibungslos. Tito mußte seine ursprünglich für vorigen Sonntag geplante Rückreise nach Belgrad verschieben. Statt dessen flog er nach Damaskus und Bagdad, um mit den syrischen und irakischen Präsidenten Attassi und Aref zu konferieren.

Auf dem Flugplatz von Damaskus wurde Tito von den Massen mit dem Sprechchor „Kein Frieden mit Israel“ begrüßt. Das Abschlußkommunique enthielt keinerlei Hinweis auf eine Einigung zwischen Attassi und Tito. Nicht anders sah es in Bagdad aus. Offenbar will sich keiner der arabischen Führer auf eine konkrete Lösung in Nahost festlegen, ehe sich nicht die Präsidenten und Könige Arabiens Ende August auf dem geplanten „Gipfel“ in Khartum getroffen haben.