In Washington führten Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und Bundesaußenmini- ster Willy Brandt mit US-Präsident Lyndon B. Johnson und dessen Ministern für Auswärtiges, Verteidigung und Finanzen mit Spannung erwartete Gespräche. Als Vertreter des in Bonn unabkömmlichen Bundesverteidigungsministers nahm Staatssekretär Carl Carstens in den USA am Stapellauf des ersten deutschen Lenkwaffen-Zerstörers teil. Rund 150 bisher verschonte Ziele in Nordvietnam wurden vom US-Präsidenten für Angriffe durch die Luftwaffe freigegeben. In den Vereinigten Staaten regten sich kritische Stimmen über die Freiheit der Wahlen in Südvietnam. In einem Interview mit der Turiner Zeitung „La Stampa“ äußerte sich Ex-Bundeskanzler Ludwig Erhard kritisch über die Arbeit der von der Großen Koalition getragenen Bundesregierung.

Wiederbelebung

Eine Gruppe republikanischer US-Abgeordneter schlug zur Neubelebung des atlantischen Bündnisses eine NATO-Gipfelkonferenz vor. Charles de Gaulles „Fernseh-Philippika“ fand in Frankreich und in der Welt mehr ablehnende als zustimmende Resonanz. Quebecs Ministerpräsident Daniel Johnson drohte mit der Abtrennung der Provinz von Kanada. Französischen Autos wurde das Tragen eines E-(Europa) Schildes untersagt. Der erste Leichtathletikkampf Europa-Amerika in Montreal wurde von den Sportlern aus der Alten Welt gewonnen. Zum Abschluß der „Solidaritätskonferenz“ in Havanna forderte Fidel Castro zum gemeinsamen Kampf der Farbigen in den USA mit den Revolutionären in Südamerika gegen den „amerikanischen Imperialismus“ auf.

Kritik

Der jugoslawische Staatspräsident Tito versuchte in Kairo, Damaskus und Bagdad eine Beilegung des Nahost-Konfliktes zu vermitteln. Aus Protest gegen die Nahost-Politik seines Landes trat der tschechoslowakische Schriftsteller Ladislav Mnacko eine Reise nach Israel an. Der russische Schriftsteller Andrej Wosnessenski kritisierte in einem Brief an die Pariser Zeitung „Le Monde“ die Lügenhaftigkeit des sowjetischen Schriftstellerverbandes. An der Beisetzung des früheren deutschen Moskau-Botschafters Hans Kroll nahm aus der diplomatischen und politischen Bonner Hierarchie nur Ministerialdirigent Rudolf Thierfelder teil. In Berlin wurde der Student Fritz Teufel unter bestimmten Konditionen aus der Untersuchungshaft entlassen. Der AStA der Freien Universität Berlin distanzierte sich von dem „Beerdigungs-Happening“ der „Kommune I“ anläßlich des Begräbnisses von Paul Lobe.

Kriege

In China gingen die Machtkämpfe weiter. Im Kongo wurde von Rebellen eine Gegenregierung ausgerufen. Im nigerianischen Bürgerkrieg verschlechterte sich die Lage der Zentralregierung. Die afrikanische Republik Niger gab zum Gedenken an Konrad Adenauer eine Sonderbriefmarke heraus. Als Vertreter des Bundesministers für Wirtschaftliche Zusammenarbeit nahm Staatssekretär Udo Hein an der Einweihung des mit deutscher Hilfe gebauten Fischereihafens in Mahdia/Tunesien teil. Der Schah von Persien bestellte in der Bundesrepublik Krönungsporzellan im Werte von fast 670 000 Mark. In Saint-Tropez debütierte Prinzessin Soraya als Schlagersängerin. Wien äußerte in Rom sein „Befremden über den Boykott der österreichischen Messen“ durch Italien.