Wie groß muß eine kleine Werbeagentur sein, um dem scharfen Wettbewerb auf dem Werbemarkt heute noch gewachsen zu sein?

Die Frage ist so neu nicht, sie beschäftigt die kleineren und mittleren Werber bereits seit Jahren – spätestens, seit die Werbegiganten der Madison Avenue“ ihre Brückenköpfe in Europa rrichtet haben und die schon bestehenden großen deutschen Werbeagenturen noch größer geworden sind. Während sie jedoch bisher – soange die Segel der Konjunktur noch gebläht waren – von bloß akademischem Interesse war, ist sie mit einem Male brandaktuell geworden, Seit unser Konjunkturschiff in die Roßbreiten elangt ist und die frische Brise der wirtschaftchen Aufwärtsentwicklung in eine Flaute umeschlagen ist, haben etliche kleine und mittlere Werbeagenturen die Segel streichen müssen, darnter auch die „Solscher Werbung“, ein alteingesessenes Hamburger Unternehmen.

Jürgen Solscher, der das von seinem Alten Herrn im Jahre 1932 gegründete Werbeunterehmen bisher erfolgreich um alle Klippen teuern und im Gipfelpunkt seiner Werbetätigkeit einen Jahreswerbeumsatz von immerhin 11 Millionen Mark erreichen konnte, hat sich vor wenigen Wochen geschlagen geben und einen Vergleichsantrag stellen müssen.

Wie groß also muß eine kleine Werbeagentur – denn darum handelt es sich bei der „Solscher Werbung“ – wie groß muß ein Unternehmen er Werbewirtschaft heute sein, um sich im Wettewerb mit größeren Konkurrenten eine Überlebenschance ausrechnen zu können? Jürgen Solcher zögert keinen Augenblick mit der Antwort.

„Mindestens zehn Millionen Mark!“ Damit leint er die Mindestsumme der Werbeetats, die von einer Agentur betreut, das heißt in Anzeigen, unk- und Fernsehspots, Plakate, Prospekte und andere Werbemittel verwandelt werden.

Jürgen Solscher weiß, wovon er spricht. Aus Erfahrung, leidvoller Erfahrung. Als zum Jahreseginn einer seiner größten Kunden, die chemiche Fabrik Promonta, für deren Produkt „Sanotol“ er die Werbetrommel gerührt hatte, abprang, war es um seine kleine Werbeagentur eschehen.

Ein Personalwechsel in der Geschäftsleitung der Promonta hatte dazu geführt, daß die gesamte Werbekonzeption für „Sanostol“ in Frage gestellt und eine Anzahl von größeren Werbeagenturen zu neuen Werbevorschlägen aufgefordert wurde. Jürgen Solscher und seine Getreuen arbeiteten eine neue Konzeption aus. Sie investierten darin nicht nur Schweiß und Ideen, sondern auch Kapital. Umsonst.