Ein Gesetz droht verabschiedet zu werden, das Autofahrern und Verkehrsrichtern Kummer ohne Ende machen wird.

Nicht Recht ist und Recht darf nicht werden, daß bei jedem Überholvorgang, wie der Gesetzgeber es will, geblinkert („der Fahrtrichtungsanzeiger betätigt“) werden muß. Man beruft sich dabei auf europäische und anglo-amerikanische Erfahrungen, ohne sie „er-fahren“ zu haben.

Auch in England und Amerika ist die Blinkerei verantwortlich für die tödlichsten, nämlich die Frontalzusammenstöße: Auf dreispurigen Straßen ist es üblich geworden, sich den Weg „freizublinkern“. Jeder rücksichtslose Ganove glaubt, die Überholspur gehöre ihm, wenn er nur blinkert. Was immer nur solange gutgeht, bis einmal zwei, die einander entgegenfahren, den gleichen Blinker-Besitzanspruch geltend machen.

Noch längst nicht ausreichend eingeübt in Deutschland ist die allererste und allerwichtigste Verkehrsregel: Fahrspur halten (keep your lane!). Vor allem in Kurven bleibe der besonnene Autofahrer zurück: Die Chancen sind etwa 1 : 1, daß der vor ihm seine Spur verläßt, indem er entweder die Kurve schneidet (bei einer Linkskurve die Fahrbahn nach links verschiebt) oder sich aus der Kurve tragen läßt (Wechsel der Fahrbahn nach rechts). Wilde Fahrbahn Wechsler werden in Zukunft blinkern, statt sich zu vergewissern, daß die andere Fahrbahn frei ist – und sind dann vor dem Gesetz im Recht, wenn es bums macht.

Vor allem jedoch ist ein Verkehrssignal widersinnig, das dem, an den es gerichtet ist, zwei einander völlig widersprechende Informationen gibt. Das Blinkern ist eine Information für den Fahrer im Auto dahinter.

Blinkert nun vor Ihnen einer links, dann kann das, wenn das neue Gesetz durchkommt, heißen: Da ist rechts was Langsames oder Stehendes – ich überhole – also fahre auch du nach links und trete ein bißchen aufs Gas.

Es kann jedoch auch heißen: Ich biege hier nach links in eine Nebenstraße, eine Einfahrt, ich wende – also halte dich rechts und bremse ein bißchen.