Georg Leber ist sicher der Schweigsamste aus Kiesingers Kabinettsrunde – soweit es Äußerungen in der Öffentlichkeit angeht jedenfalls. Im Verkehrsministerium wird heute mehr Geheimhaltung betrieben als auf der Hardthöhe, wo Verteidigungsminister Schröder residiert.

Zehn Monate nimmt Minister Leber sich Zeit, die harte Nuß zu knacken, die Amtsvorgänger Seebohm ihm hinterlassen hat: Das Milliardendefizit der Bundesbahn, das Verkehrschaos in den Ballungsgebieten und andere Malaisen – beispielsweise die Haute in der Binnenschiffahrt – müssen beseitigt werden. Das erfordert nicht weniger als eine Verkehrsreform; denn 18 Jahre Seebohm-Ära haben gezeigt, daß es mit einem Herumkurieren an den Symptomen nicht getan ist.

Es gehört Mut dazu, in zehn Monaten aus dem Material des Flickerl-Teppichs, den Seebohm in all den Jahren gehäkelt hat, nun ein harmonisches Muster zu weben. Und es gehört Mut dazu zu schweigen, wenn Leber die Äußerung nachgesagt wird, es werde bei der Verkehrsordnung allerseits Tränen geben, wenn deswegen in der Öffentlichkeit gegen ihn polemisiert wird, wenn die Interessenten in offenen Briefen und Interviews aus allen Rohren gegen angebliche Pläne des Minister schießen, in die außer Bundeskanzler Kiesinger und Wirtschaftsminister Schiller noch niemand eingeweiht ist.

Ende September soll nun das Kabinett beraten. Bis dahin reagiert der Hesse Leber auf alle Spekulationen gut hamburgisch: Gar nich um kümmern, nich mal ignorieren. hm