Von Michael Jungblut

adio Dschidda warnte die arabischen Brüder: Ein allgemeiner Stopp der ölexporte oder die Enteignung westlichen Eigentums diene nur den kommunistischen Interessen und schade den arabischen Völkern. Wenn als Folge solcher Maßnahmen erst die traditionellen Absatzmärkte verloren seien, werde der Kommunismus sein wahres, schreckliches Gesicht zeigen.

Die Mahnungen des saudi-arabischen Sprechers waren an die Adresse der Minister aus den dreizehn Mitgliedsländern der arabischen Liga und der Ölscheichtümer am Persischen Golf gerichtet, die seit der vergangenen Woche in Bagdad tagten. Sie beratschlagten dort über gemeinsame Maßnahmen gegen Israel und alle Länder, die nach ihrer Meinung mit dem verhaßten Judenstaat sympathisieren. In seiner Eröffnungsrede warf der irakische Staatspräsident Aref den englischen und amerikanischen Mineralölgesellschaften vor, sie benutzten die Gewinne aus dem Ölgeschäft, um Israel mit Waffen zu versorgen, mit denen Araber getötet werden sollten.

„Die Araber suchen immer noch verzweifelt jemand, den sie für ihre militärische Niederlage büßen lassen können. Prügelknabe wird wohl wieder die Mineralölwirtschaft sein“, kommentierte ein Vertreter der Branche seufzend die Lage. Neben der Sperrung des Suezkanals ist der Griff zum Ölhahn nämlich das einzige Mittel, das den arabischen Brüdern im Kampf gegen Israels angebliche Helfer in Westeuropa und den USA zur Verfügung steht.

Der Knüppel, mit dem sie drohen, entpuppt sich bei näherem Hinsehen allerdings als Bumerang. Die Öl- und Devisenströme sind untrennbar miteinander verbunden. Andere bedeutende Einnahmequellen haben die arabischen Ölländer nicht.

1965 erreichten allein die direkten Zahlungen der Mineralölgesellschaften an die nahöstlichen und nordafrikanischen Staaten (ohne Algerien) 10,9 Milliarden Mark. Hinzu kamen noch die Lohnzahlungen an die einheimischen Arbeitskräfte, umfangreiche Käufe in den Gastländern sowie im gleichen Jahr Ausgaben in Höhe von 5,4 Milliarden Mark, die für Erschließungsarbeiten, die Ölförderung und den Anlagenbau aufgewendet wurden. Wie im Iran so gehen auch in anderen Ländern alle Anlagen und Gebäude sofort in das Eigentum des Staates über. Die Ölgesellschaften behalten nur das Nutzungsrecht.

Eingedenk dieser Vorteile hielt es Radio Dschidda denn auch für notwendig, die Konferenzteilnehmer in Bagdad vor allzu unüberlegten Schritten zu warnen. Das war angebracht. Da das bisher praktizierte Ölembargo sich als ziemlich wirkungslos erwiesen hat, berieten die Minister über den irakischen Plan,