Wenn zum Wochenende die ersten farbigen Bilder über die Fernsehschirme flimmern, beginnt eine Schau, für die bisher rund 200 Millionen Mark investiert worden sind:

  • 100 Millionen Mark steckte die Industrie in neue Produktionseinrichtungen;
  • 50 Millionen Mark mußten die Sendeanstalten des ersten und zweiten Fernsehens für die technische Ausrüstung der Studios ausgeben;
  • 30 Millionen Mark wandte die Bundespost auf, um das Sendernetz für das farbige Fernsehen auszurüsten;
  • 20 Millionen kostete den Einzelhandel die Ausrüstung seiner Werkstätten.

Mit einem Aufwand von weniger als 20 Millionen Mark schlug die Entwicklung des Pal-Systems durch AEG-Telefunken verhältnismäßig gering zu Buch.

Wann sich die Investitionen für Industrie und Handel auszahlen werden, ist gegenwärtig noch nicht abzusehen. Seit die ersten Farbfernsehgeräte am 1. Juli in den Schaufenstern des Handels auftauchten, erschüttern Preiskämpfe den Markt.

Bis zum Programmbeginn werden nach Schätzungen der Branche etwa 5000 Geräte in den bundesdeutschen Wohnzimmern montiert sein. Über 1000 davon hat – nach eigenen Angaben – allein das Versandhaus Neckermann geliefert, das bis zum 25. August ähnlich dem Subskriptionspreis-Verfahren des Buchhandels ein Gerät für 1840 Mark anbot, während die anderen Marken preisgebunden für 2300 bis 2500 Mark auf den Markt gebracht wurden.

Die Industrie will mit Rücksicht auf den Fachhandel dieses Preisniveau halten; Preisbrecher wie die Ratio-Verbrauchermärkte, das Versandhaus Quelle und die Kaufhäuser streben dagegen einen Verkaufspreis von 1990 Mark an. Angebote von Geräten zu diesem Preis wurden den Firmen teilweise durch einstweilige Verfügungen untersagt.

Ab Oktober wird es auch auf französischen. Bildschirmen farbig flimmern. Doch die Franzosen müssen für die Farbe mehr bezahlen als die Deutschen. Die Entscheidung der Regierung, das schwarzweiß-Bild in 819 Zeilen aufzuteilen, zwingt die Bürger noch einmal in die Tasche zu greifen.