/ Von Rudolf Walter Leonhardt

Die Gaulles weder taktvolle noch kluge Quebec-Befreiungsreden werden hoffentlich keinerlei Folgen haben. Wenn sie Folgen hätten, dann wäre der General der letzte, der diese Folgen sich wünschen dürfte: Am ehesten nämlich könnten sie den Anschluß Kanadas an die Vereinigten Staaten fördern.

Freilich kennt die Verhältnisse nicht ausreichend, wer glaubt, de Gaulles Auftritte in Quebec müßten gerontologisch erklärt werden und ließen auf Unzurechnungsfähigkeit schließen. Es dürfte immerhin aufgefallen sein, daß kein franko-kanadischer Politiker sich von de Gaulle distanziert und daß Quebecs Premierminister Daniel Johnson wiederholt erklärt hat, im Grunde habe der General ganz recht gehabt.

Warum ist über das (nach der Sowjetunion) zweitgrößte Land der Erde bei uns so wenig bekannt? Das liegt wohl nicht so sehr an der geographischen Entfernung, über die Vereinigten Staaten etwa sind wir ja trotzdem so einigermaßen informiert; es liegt auch nicht vor allem daran, daß die gewaltigen Zukunftsmöglichkeiten dieses Landes noch immer unterschätzt werden.

Den Grund dafür glaube ich nach meinen eigenen Erfahrungen vor allem darin zu finden, daß es so schwer ist, ungefärbte Informationen über Kanada zu bekommen – Informationen, meine ich, die hinausgingen über rein geographische und ökonomische Daten. Und schon bei den ökonomischen Daten hört die Klarheit auf. Wir konnten, als französische Stimmen ob der peinlichen Entgleisungen des Generals nicht recht Gehör fanden, allenthalben lesen von der schwierigen Minorität der Franko-Kanadier.

Das mit der „Minorität“ stimmt aber allenfalls im elementaren Rechenunterricht: Wenn von zwanzig Millionen sechs Millionen französischen Ursprungs sind... – richtig: dann sind sechs Millionen weniger als vierzehn Millionen.

Darüber hinaus stimmt nichts mehr.