Von Peter Roese

Die Saurier der Vorzeit gingen an der Trägheit ihrer Masse zugrunde, so vermuten manche Forscher. Elektroniker und Computerprogrammierer setzen zur Zeit alles daran, dem technischen Fortschritt des zwanzigsten Jahrhunderts einen ähnlich schnöden Tod zu ersparen.

Denn auch die Unsummen der sich in den Patentämtern ansammelnden Informationen über Konstruktionsdetails aus allen Gebieten der Technik drohen an ihrer eigenen Masse zu ersticken. Die meisten technischen Neuentwicklungen fanden ihren Niederschlag in Patentschriften, seit das Patentwesen vor mehr als 150 Jahren begann. Rund fünfzehn Millionen Patente beschreiben, was Ingenieure in diesen eineinhalb Jahrhunderten erfanden – vom Staubsauger bis zum Magnetkernspeicher der Elektronengehirne. Um 320 000 Neuzugänge wächst dieser Berg in jedem Jahr; 30 000 davon steuert allein die Bundesrepublik bei.

Mit letzter Kraft mühen sich die Patent-Sachbearbeiter darum, den Überblick in diesem Informationswirrwarr nicht vollends zu verlieren. Zwar sind die meisten der in den Archiven registrierten fünfzehn Millionen Patente längst ausgelaufen (der Schutz dauert nur 18 Jahre), doch trotzdem bleibt kein einziges den Prüfern erspart. Denn nur solche Erfindungen erhalten den begehrten Rechtsschutz, die wirklich neu sind, die also keinem früheren – gültigen oder abgelaufenen – Patent gleichen. Ein Drittel bis die Hälfte ihrer Arbeitszeit müssen die 500 Prüfer des Deutschen Patentamtes und die fünf- bis sechstausend Patentarbeiter der Wirtschaft ansetzen, um verstaubte Aktenordner durchzublättern und darin nach Konstruktionen zu suchen, die einer vorgeblich neuen Erfindung möglicherweise gleichen.

Tausende von Begriffen

Natürlich suchen sie nicht wahllos; systematische Kataloge weisen ihnen den Weg. Doch die beste Systematik kann nicht alle Gesichtspunkte berücksichtigen, und außerdem ist sie Jahre oder Jahrzehnte alt – sie kann daher die Bedürfnisse von heute nicht voraussehen. Wie erschreckend ungenau eine solche Suche nach wichtigen Dokumenten heute schon ist, zeigte jüngst ein Vergleichstest mit einem auf die Patentdokumentation spezialisierten Elektronenrechner. Im Wettbewerb mit ihm unterlagen die Prüfer klar: Fast 40 Prozent aller Patente, die der Automat zu einem bestimmten Thema heraussuchte, waren ihrer Aufmerksamkeit entgangen; andererseits fanden sie nicht ein einziges Dokument, das der Computer übersehen hatte.

Dieses Computerprogramm zum Auffinden von Dokumenten, das hier seine Feuertaufe erfolgreich bestand, leistet Erstaunliches. Wer Patentliteratur über ein fest umrissenes Thema haben möchte, braucht seine Anfrage nur in der ihm vertrauten Fachsprache zu formulieren – alles übrige erledigt der Computer. Er prüft, wie dieses Thema in die bestehenden Ordnungsgesichtspunkte hineinpaßt, nach denen alle Patente klassifiziert sind, und sucht danach alle interessierenden Patentschriften heraus.