Die Stadt Salzgitter hat ihren 25. Geburtstag in aller Stille, ohne Flaggen, Volksfest oder Festumzug gefeiert. Das Jubiläum dieser – an der Flächenausdehnung gemessen – immerhin sechstgrößten Stadt der Bundesrepublik vollzog sich fast so prosaisch wie ihre Gründung.

Am 31. März 1942 erließ der damalige Reichsstatthalter in Braunschweig und Anhalt eine schlichte Verordnung, wonach sich 24 Gemeinden und Teile von weiteren 17 Gemeinden der Landkreise Wolfenbüttel und Goslar zusammenschließen mußten: „Die Gemeinde erhält die Bezeichnung Stadt und den Namen Watenstedt-Salzgitter.“ Punkt, Streusand, Petschaft. So einfach machte man es sich damals – und so schwer haben es die Stadtväter seither gehabt, ihre Gemeinde über die Runden zu bringen.

Die Manager der „Reichswerke für Erzbergbau und Eisenhütten Hermann Göring“, die man fünf Jahre vorher buchstäblich aus dem erzreichen Boden am Nordrand des Harzes gestampft hatte, waren es leid geworden, mit 36 Bürgermeistern, drei Landkreisverwaltungen und zwei Länderregierungen verhandeln zu müssen.

Der Chronist, der zum Silberjubiläum aufgefordert wurde, ein Preis- und Loblied auf „Unsere Stadt Salzgitter“ zu singen, machte sich kaum einer Übertreibung schuldig, als er die Feder zu dem Satz spitzte: „Die Geschichte der Stadt ist vom ersten Tag bis heute einmalig – ohne Beispiel in der Vergangenheit und richtungweisend für die Zukunft.“

In den wenigen Monaten, die seit dem Stadtjubiläum verstrichen sind, scheint jedoch eine Korrektur der Festschrift angebracht, vor allem was den Hinweis auf die Zukunft anlangt.

Im Haushaltsplan, der noch vor einem halben Jahr in Einnahmen und Ausgaben mit 78 490 560 Mark ausgeglichen schien, klafft seit dem 1. März eine Lücke von 22,4 Millionen Mark. An diesem Tag entschied der Bundesfinanzhof in München, daß die Stadt Salzgitter über einen Zeitraum von zehn Jahren 22,4 Millionen Mark mehr Steuern eingenommen habe, als ihr zugebilligt werden können. Diesen Betrag habe die Stadt wieder herauszurücken.

Die Vorgeschichte der ominösen Entscheidung des Bundesfinanzhofs, die Salzgitter in ein finanzielles Chaos zu stürzen drohte, ist rasch erzählt. Sie ist aufs engste verknüpft mit den damaligen „Reichswerken Hermann Göring“, der heutigen Salzgitter AG, die immer noch etwa zwei Drittel der über 100 000 Einwohner von Salzgitter ernährt und der mit Abstand größte Steuerzahler der Gemeinde ist. Wenn man so will, ist die Stadt Salzgitter von Anfang an eine „Werkseinrichtung“ der Salzgitterwerke gewesen.