Im Nahost-Konflikt ist, knapp zwei Monate nach dem Ende des Sechs-Tage-Krieges, noch immer seine Lösung in Sicht. Die Szene wird beherrscht von gescheiterten Missionen und ergebnislosen Konferenzen, von Gerichten und politischen Zerwürfnissen.

Nachdem Jugoslawiens Staatschef Tito seine Vermittlungsreise in seinem Freund Nasser und nach Damaskus und Bagdad ohne Erfolg beendete, brach Jordaniens König Hussein zu seiner zweiten Freundschaftstour auf. Er machte Station in Kuwait, in Saudi-Arabien, im Sudan, in Libyen, Tunesien und Marokko; angeblich will er auch Moskau einen Besuch abstatten. Es wird vermutet, daß Hussein jene arabischen Staaten, die nicht den harten Kurs Syriens und Algeriens steuern, für eine Übereinkunft mit den Israelis gewinnen will.

Auch Nasser, bedrängt von den Sowjets, sieht sich zu einer gemäßigten Politik gegenüber dem siegreichen Judenstaat gezwungen. Die „Anerkennung der Realitäten“, in diesem Falle Israels, scheint sich im Nahen Csten immer mehr durchzusetzen. Sie freilich wird in manchen arabischen Ländern zwangsläufig auch zu innerpolitischen Spannungen führen.

Den Gegnern jeder Verständigung kamen daher Gerüchte wie gerufen, die eine Verhandlungsbereitschaft Jordaniens und Ägyptens andeuten:

  • London soll eine Einigung zwischen Amman und Tel Aviv in die Wege geleitet haben und zwar auf folgender Basis: Die Israelis räumen das westliche Jordanufer, das dafür entmilitarisiert wird; sie verlassen die Altstadt von Jerusalem, behalten aber (mit einem Zugang) die Klagemauer; sie unterstellen den ehemals ägyptischen Gaza-Streifen jordanischer Verwaltung. Über Husseins geheime Kontakte soll auch Nasser informiert worden sein.
  • Kairo, so heißt es, sei bereit, den Suezkanal wieder zu öffnen und israelischen Schiffen freie Durchfahrt durch die Straße von Tirana zu garantieren. Nassers Bedingung: Moshe Dayan ruft seine Truppen, von der Sinai-Halbinsel zurück.

Zur gleichen Zeit wurde bekannt, daß sich die arabischen Staatschefs auf einen Termin für eine Gipfelkonferenz geeinigt haben. Sie soll an 29. August in der sudanesischen Hauptstadt Khartum stattfinden. Dort soll auch endgültig über einen Ölboykott gegen die, USA, Großbritannien und die Bundesrepublik beschlossen werden. Bei dem jetzt beendeten Treffen der Fachminister von dreizehn arabischen Staaten in Bagdad konnten sich die Algerier mit ihren drastischen Forderungen gegenüber Libyen, Kuwait und Saudi-Arabien nicht durchsetzen.

Während die ersten rückkehrwilligen Flüchtlinge die Allenby-Brücke über den Jordan in Richtung Westjordanien überquerten, geht in Israel die Kontroverse um die Besatzungspolinik Tel Avivs weiter: