Papst Paul VI. reorganisierte vorige Woche den wesentlichsten Teil der Kirchenverfassung, der seit 1588 nahezu unverändert bestanden hat: die Kurie. Die Reform, die der Papst schon im September 1963 ankündigte, gilt vom 1. Januar 1968 an.

Das 15 000 Worte umfassende Dokument „De Romana Curia“ ermöglicht eine Rationalisierung und Demokratisierung dieser obersten kirchlichen Behörde, der man erstarrte Routine, Rivalitäten, Monopolansprüche, Gewohnheitsrechte, Überalterung und Isolierung vorgeworfen hatte.

Der Papst stattete den Kardinalstaatssekretär mit den weitreichenden Vollmachten eines Premier- und Außenministers aus, die ihn in kirchlichen Angelegenheiten zum zweiten Mann machen. Das Staatssekretariat wird zur Oberbehörde der Kurie, die Kongregationen werden von zwölf auf neun verringert.

Die unerwartet tiefgehende Reform soll die Kurie den Erfordernissen unserer Zeit anpassen und auch für später Flexibilität gewährleisten:

1. Kurienmitglieder werden nur für fünf Jahre berufen. Die Amtszeit erlischt beim Tod eines Papstes automatisch, um seinem Nachfolger freie Hand bei der Auswahl seiner Mitarbeiter zu geben.

2. Der Staatssekretär kann die Leiter der vatikanischen Ämter wie einen Ministerrat zu „Kabinettssitzungen“ einberufen.

3. Ein Rat für öffentliche Angelegenheiten der Kirche, eine Art Außenministerium, wird dem Staatssekretariat unterstellt.