DIE ZEIT

Man nennt’s Gnade

Griechenlands Militärdiktatoren haben einen Gefangenen freigelassen. Sie begnadigten Evangelos Averoff-Tossizza, unter Karamanlis Außenminister, unter dem Militärregime zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Prügel und Noten

Wer sich heute mit China beschäftigt, begiebt sich in einen Wald von Fragezeichen. Sicher ist, daß den Staat der 700 Millionen seit Monaten Blitze der Unruhe durchzucken.

Kraft durch Buße

Noch immer ist die NPD eine Partei auf der Suche nach einer Halle. Nach Köln, München, Hildesheim, Stuttgart, Heidelberg und zuletzt Nürnberg, wo es wegen der Parteitage der Thadden-Gefolgschaft zum Krach um vertraglich vermietete Versammlungsräume kam, ist nun Wolfsburg an der Reihe.

Axel Springers Fall

Ein Beispiel hatte mein Freund sich ausgedacht: Die "Esso" erfährt, daß in der Eifel ein neues Straßennetz gebaut wird. Sie möchte ihre Tankstellen dort einrichten und obendrein die "Shell" aus den Eifeldörfern vertreiben.

ZEITSPIEGEL

Die ČSSR hat nach 19 Jahren kommunistischer Herrschaft immer noch Sorgen mit ihren 215 000 Zigeunern, deren Mehrzahl in der Slowakei lebt.

Simbule und die „zahnlose Bulldogge“

Als der Unterhausabgeordnete Cunningham, der South Antrim in Nordirland vertritt, in der obligaten Lektüre des (seiner Fraktion nahestehenden) „Sunday Telegraph“ bis zur letzten Seite gekommen war, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen.

Lückenhaft

Der „Rheinische Merkur“ hat letzthin mehrmals behauptet, die ZEIT habe ihm falsche Zitate unterschoben. Sein stellvertretender Chefredakteur Theo M.

Ein Orson Welles in Othellos Rolle

Söldner-Saison in Afrika: In Bukawu machen Major Schrammes weiße Landsknechte die Regierung des kongolesischen Riesenreiches zum Gespött, in Angola rüsten sich derweilen andere zum Einsatz in Biafra.

Ladislav Mňačkos Ausbruch nach Israel

Es waren vier schlichte Sätze, durch die sich die kommunistischen Partei-Oberen und Prag bis Moskau und Ostberlin zu Zorn und Empörung hinreißen ließen, vier Sätze, die gleichwohl vielen Bürgern in Osteuropa Hoffnung, Mut und Selbstvertrauen einflößten: "Ich bereite mich auf eine große Reise vor.

Ulbricht, was Ulbrichts ist...

Keine Politik der kleinen Schritte, sondern eine Politik der kleinen Schikanen betreibt Ostberlin schon seit Monaten gegen die protestantische Kirche.

Wolfgang Ebert:: Liebe Luftwaffe ...

Liebe Luftwaffe, wenn Sie die 54 Transport-Hubschrauber aus Amerika, auf die Sie schon seit drei Jahren warten, noch immer vermissen sollten: sie befinden sich hier in Hula-Bala.

In den Fängen von Maos SA

Dies ist in mehrfacher Hinsicht ein ungewöhnlicher Augenzeugenbericht: ein sowjetischer Journalist schildert seine Eindrücke und Erlebnisse aus Rotchina, und es ist ein Reporter, der von Maos Behörden des Landes verwiesen wurde.

Tradition ohne Takt

In das noch schmale Traditionsbuch der Bundeswehr ist jüngst ein neues Blatt eingeheftet worden. Der erste von drei deutschen Raketen-Zerstörern, die in den USA gebaut werden, lief unter dem Namen des Admirals Günther Lütgens vom Stapel, der 1941 auf seinem Flaggschiff „Bismarck“ im Atlantik unterging.

Warnung an Touristen

Die Fälle schienen sich in jüngster Zeit zu häufen: Verhaftungen deutscher Bundesbürger zwischen Sofia und Budapest, zwischen dem Plattensee und dem Goldstrand am Schwarzen Meer.

Des Kanzlers Balance-Akt

Verbessert oder verschlechtert der letzthin von den Demoskopen errechnete Rückschlag für die CDU die Position des Kanzlers? In der CDU könnte dieser Rückschlag die wieder aufflammende interne Streitsucht dämpfen und die Stellung Kiesingers als Parteivorsitzenden stärken.

Amerikanische Nachlese

Der Kanzler ist zwar nicht mit vollen Händen aus Washington zurückgekehrt, aber nach langer Unterbrechung war er der erste deutsche Regierungschef, der seinen Besuch beim amerikanischen Präsidenten wieder als einen persönlichen Erfolg zu präsentieren vermochte.

Blink-blink- bums!

Nicht Recht ist und Recht darf nicht werden, daß bei jedem Überholvorgang, wie der Gesetzgeber es will, geblinkert („der Fahrtrichtungsanzeiger betätigt“) werden muß.

Handel ohne Klausel

Ohne großes Aufhebens hat die Bundesregierung die Widerrufsklausel im Interzonenhandel außer Kraft gesetzt. Für Bonn besteht nun keine vertragliche Handhabe mehr, Interzonengeschäfte zu annullieren, wenn das Ostberliner Regime den ungehinderten Zugang nach Westberlin verwehrt.

War es eine Beleidigung?

Nach dem Brandstiftungsprozeß gegen die Kommunarden Teufel und Langhals, nach der Niederschlagung mehrerer Strafanträge gegen Polizeibeamte, nach dem skandalträchtigen Untersuchungshaftverfahren gegen Fritz Teufel und unterstützt durch die schleppenden Ermittlungen gegen die Jubelperser des 2.

„Heute keine Anzeigen“

Nach der autoritären Herrschaft früherer Zeiten haben wir uns jetzt ein wenig zu sehr vom gesunden Mittelmaß entfernt; wir wollen die Demokratie zu gut machen, so sprach Polizeipräsident Fritz Kiehne, nach dem Gammlerproblem in Niedersachsens Landeshauptstadt befragt.

Laßt Dünne um mich sein!

Am dritten oder vierten Tag stellt sich die Lust auf die Kartoffel ein. Doch dann, wenn man es schafft, das Gespenst der Beliebtheit nicht zu essen, kommt das alte Wohlbehagen auf der Eiweiß-Basis wieder.

Wider die muffig Prüden

Seit vergangenem Sonntag können Liebende, die den kirchlichen Segen ihres Ehebundes durch den Autor von „Abel mit der Mundharmonika“ wünschen, nicht mehr als Phantasten gelten.

Chinesen schießen auf US-Flugzeuge

Der verschärfte Luftkrieg gegen Nordvietnam hat zu einem ersten Zwischenfall an der chinesischen Grenze geführt: Zwei amerikanische Düsenjagdbomber gerieten in den chinesischen Luftraum und wurden dort abgeschossen.

Roter Hahn in Peking

Die Beziehungen zwischen Großbritannien und der Volksrepublik China erreichten am Dienstag ihren Tiefstand: Demonstranten in Peking stürmten das Gebäude der britischen Mission, verwüsteten die Einrichtungen und setzten es in Brand.

„Ich liebe keine Halbheiten“

Die einzige Kritik, die Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger einen Tag nach seiner Rückkehr aus den USA vor der Bonner Presse äußerte, richtete sich gegen seinen Amtsvorgänger.

Frischer Wind im Vatikan

Papst Paul VI. reorganisierte vorige Woche den wesentlichsten Teil der Kirchenverfassung, der seit 1588 nahezu unverändert bestanden hat: die Kurie.

Ungemach für Athener Junta

Evangelos Averoff-Tossizza ist ein freier Mann. Auf Empfehlung der griechischen Militärjunta wurde er von König Konstantin begnadigt.

Von ZEIT zu ZEIT

Nach ihrer Rückkehr aus Washington äußerten sich Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und Bundesaußenmini- ster Willy Brandt befriedigt über ihre Besprechungen mit den amerikanischen Gastgebern.

Namen der Woche

Emmanuel Muteba Tschombe, Neffe des kongolesischen Ex-Ministerpräsidenten, flüchtete unter Zurücklassung seiner Beinprothese aus der Pariser kongolesischen Botschaft.

DIE ALTE GERMANISTIK UND DIE JUNGEN STUDENTEN

Die Berliner Studentenrevolte geht weiter und wird noch mehr auch auf andere deutsche Universitäten übergreifen. Sie wird sich von den Zufälligkeiten eines Schah-Besuches lösen und sich mehr auf das Grundsätzliche einer Universitäts-Struktur konzentrieren, die seit dem 19.

Constantin Brunner:: Sokrates - der erste freie Mann

Sokrates – der erste freie Mann dreißig Jahren – am 27. August 1937 – starb in Holland ein deutscher Philosoph, dessen im Geiste Spinozas errichtete Gedankenwelt weithin Bewunderung erregt, während er in seinem Heimatlande vergessen wurde: Constantin Brunner.

Sentimentale Impressionen

Der Photograph Konarski war aus Kuty zunächst gen Osten verschlagen worden. Über Sibirien gelangt aber auch er nach London, wohin es Zauber, den zweiten Emigranten, schon eher getrieben hatte.

ZEITMOSAIK

In Saarbrücken existiert, wie man hört, eine „Literarische Union“. Sie tritt zur Zeit mit einem Preisausschreiben hervor. Es handelt sich dabei um einen „Internationalen Lyrikpreis“ und um einen „Internationalen Mini-Short-Story-Preis“.

FILMTIPS

„Tätowierung“, von Johannes Schaaf nach einem Drehbuch von Günter Herburger. Ein junger deutscher Film, der in Berlin spielt und die Geschichte eines Knaben erzählt, der aus dem Regen in die Traufe kommt: aus dem Fürsorgeheim in die Mosaikfabrik seines ebenfalls fürsorglichen Onkels.

Kunstkalender

Als Alexandre Iolas im Herbst 1965 die Bilder in seiner Pariser Galerie zum ersten Male zeigte (es sind weitgehend dieselben, die jetzt in München zu sehen sind), war im begleitenden Katalog jedes Bild mit einem Text von Max Ernst konfrontiert.

Nach den „Großen Pianisten“, die Joachim Kaiser vorstellte, wollen wir jetzt berühmte Geiger unserer Zeit porträtieren: Aristokrat auf dem Podium

Im zweiundzwanzigsten Heft des Jahrganges 1964 bezeichnete das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ den am 31. Dezember 1904 in Odessa geborenen Nathan Milstein als „Bravourstück-Virtuosen“, in der einundvierzigsten Ausgabe des Jahres 1965 rühmte es unter anderem seine Bach- und Sarasate-Kunststücke und vermerkte nicht nur, daß er der bestbezahlte Violinist der Welt sei, sondern auch Heifetz übertrumpft habe – im Ping-Pong.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Zwei Ziele verfolgt der zweiundvierzigjährige Luciano Berio, früher Schüler von Dallapiccola und Ghedini, heute Lehrer an der Juilliard School of Music in New York, seit mehr als zehn Jahren in seinen Werken und Experimenten.

Else Lasker-Schülers Grab

Else Lasker-Schüler ist auf dem traditionsreichen alten jüdischen Ölberg-Friedhof in Jerusalem bestattet worden. Ihre vielen Verehrer, zu denen auch ich mich mit allem Eifer zähle, haben oft gelitten, wenn sie die unglaublichen Berichte lasen, die schon lange vor dem israelischarabischen Krieg verbreitet waren und immer wieder gedruckt wurden: Die Jordanier, hieß es, auf deren Gebiet seinerzeit dieser Friedhof lag, seien gegen die heiligen Grabsteine vorgegangen, hätten eine Straße quer durch die geweihte Ruhestätte gelegt und dabei die ihrem Dienst entrissenen Grabsteine als Pflaster benützt.

Ein gelassener Beobachter

Autobiographien sind nicht selten das genaue Gegenteil dessen, was sie zu sein vorgeben: Der Leser erfährt nicht, was wirklich war, er findet vielmehr eine Rückprojektion von Ausflüchten und Wunschvorstellungen vor, eine Vergoldung des Gewesenen.

Im Dickicht der Städte

Es wäre aufschlußreich, einmal Schilderungen der gleichen Stadt aus verschiedenen Epochen miteinander zu vergleichen, etwa Schilderungen von Paris oder München, die so viele und verschiedenartige Schriftsteller beherbergt haben.

ZU EMPFEHLEN

FÜR Feuilletonisten, was nicht unbedingt ein Schimpfwort sein muß, und andere, die meinen, Sprache habe es nicht nur mit Grammatik, sondern auch mit Gesellschaft zu tun: Ferdinand Kürnberger: „Feuilletons“, ausgewählt und eingeleitet von Karl Riha; Sammlung Insel 30, Insel Verlag, Frankfurt; 188 S.

Fernsehen: Spielen und Überspielen

Luigi Barzini erläuterte die Theorie seines Buches, die Italiener seien ein Volk von showmen und Bühnenakteuren, mit Hilfe einer Reihe von Bildern, die das Italien von heute vor der Folie des Italien von gestern erhellten, Beziehungen zwischen Perfekt und Präsens herstellten und den gleichen barocken Grundzug, den Sinn für Gestik und Schau, im Opernpomp des siebzehnten Jahrhunderts und im dramatischen Gehabe moderner Demonstrationen, der Himmelfahrtsprozession und des 1.

Bildende Kunst: Wie aus einem Polizeireport

Mit René Magritte ist einer der Großen der modernen Malerei gestorben. Unser Bild der Wirklichkeit ist anders, fragwürdiger und weniger selbstverständlich nach ihm – wie seit Duchamp, de Chirico und Max Ernst, seit Kandinsky, Klee und Tanguy.

Schwere Tage für Strauß

Es ist für einen Journalisten keineswegs verlockend, sich genötigt zu sehen, die Politik der Regierung zu verteidigen: Kritik fließt leichter aus der Feder als Lob.

Das Spiel der „sieben Schwestern“

adio Dschidda warnte die arabischen Brüder: Ein allgemeiner Stopp der ölexporte oder die Enteignung westlichen Eigentums diene nur den kommunistischen Interessen und schade den arabischen Völkern.

Börsenreform

Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet an einer Reform des deutschen Börsenwesens. Dazu gehört auch die Forderung nach einer ausreichenden Unterrichtung der Öffentlichkeit durch die Aktiengesellschaften außerhalb ihres Jahresberichtes.

Das Schweigen

Georg Leber ist sicher der Schweigsamste aus Kiesingers Kabinettsrunde – soweit es Äußerungen in der Öffentlichkeit angeht jedenfalls.

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