• "Max Ernst" (Galerie Otto Stangl, München): Der art traveller hat diese Bilder zuvor schon gesehen, etwa in Venedig, in einer der Ausstellungen, die der italienische Industrielle Marinotti in seinem Palazzo Grassi jeweils der Biennale beigesellt. "Oltre la pittura", Jenseits der Malerei, dieser Titel der Ausstellung von 1966 bezog sich auf die neusten Bilder von Max Ernst, vor allem ab 1965, unterstrich den Spielraum einer freien bildnerischen Sprache. Die bemalte Leinwand trat zurück zugunsten einer Fläche, auf die Käfige, Schablonen, Barometer, Federn montiert waren.

Als Alexandre Iolas im Herbst 1965 die Bilder in seiner Pariser Galerie zum ersten Male zeigte (es sind weitgehend dieselben, die jetzt in München zu sehen sind), war im begleitenden Katalog jedes Bild mit einem Text von Max Ernst konfrontiert. Dieser Text umspielte poetisch den Bildtitel, arrangierte, entsprechend dem Bild, Zitate, tauschte die Gegenstände, die auf der Fläche statisch montiert waren, um. "Saint Sulpice": "Rat eines Freundes – Um glücklich zu leben, sperren Sie die Türme von Saint-Sulpice nicht in einen Kasten aus Gold oder einen silbernen Turm. Hinterlegen Sie sie eher im Musée du Louvre. Sie gewinnen nicht nur Zeit, sondern auch Zutrauen zu sich selbst und einige Freunde."

Max Ernst greift die Gegenstände spielerisch auf, unterlegt ihnen im Bild aber eine ausgewogene Komposition. Dieses, was manchen Betrachter veranlaßt, seine neuen Arbeiten als "zu ästhetisch" abzutun, unterscheidet sein Vorgehen grundsätzlich von jeder Art Pop-Assemblage, wie sie etwa bei Jim Dine auftritt.

Jürgen Claus

  • "Maurice Denis" (Bonn, Städtische Kunsthalle): Wiederkehr der Nabis: der erste Gesamtauftritt der Gruppe in Deutschland fand in der Mannheimer Kunsthalle statt. Es folgten Retrospektiven für Bonnard, Vuillard, Emile Bernard (ein naher Verwandter der Nabis) und nun, in kleinerem Rahmen, für den Nabi der schönen Ikonen Maurice Denis. Die Wanderausstellung startete in der Galleria del Levante in München, sie wird in Bonn – bis zum 27. August – in leicht veränderter Form dargeboten: 26 Bilder, 16 Aquarelle und Zeichnungen.

Man kennt bei uns mehr den Theoretiker als den Maler Denis. Sein Satz "daß ein Gemälde, ehe es ein Schlachtroß, einen weiblichen Akt oder irgendeine Anekdote darstellt, vor allem eine glatte Oberfläche ist, bedeckt mit Farben, in einer bestimmten Ordnung" wird in jeder Kunstgeschichte zitiert. Eine Absage an Gegenstand und Motiv – in der Theorie. Seine eigenen Bilder jedoch leben aus einer sakral stilisierten Gegenständlichkeit, das sakrale Moment gewann schließlich die Oberhand, Denis wurde Kirchenmaler, seine Kunst fromme und penetrant süßliche Dekoration,

Die Ausstellung bringt hauptsächlich Arbeiten aus den Jahren zwischen 1889 und 1910. Schon der junge Maurice Denis ist gefährdeter als seine Nabifreunde, wenn er seine badenden Frauen und hellen Interieurs paradiesisch verklärt. Die Mixtur aus Puvis de Chavanne, Präraffaeliten, Gauguin, Moreau und Baudelaire ist nicht nach jedermanns Geschmack. Aber das spezifische Aroma dieser Bilder hat für Liebhaber des tin de siècle einen unübertroffenen Reiz.