Die Geschichte eines kommunistischen Literaten

Von Haug von Kuenheim

Es waren vier schlichte Sätze, durch die sich die kommunistischen Partei-Oberen und Prag bis Moskau und Ostberlin zu Zorn und Empörung hinreißen ließen, vier Sätze, die gleichwohl vielen Bürgern in Osteuropa Hoffnung, Mut und Selbstvertrauen einflößten: "Ich bereite mich auf eine große Reise vor. Ich fahre nach Israel. Es ist meine Absicht, durch diese Reise Protest gegen die Politik der tschechoslowakischen Regierung zu erheben. Da man in der Tschechoslowakei in der Frage der Nahost-Krise mundtot ist, sich überhaupt dazu nicht äußern darf und kann, und ich mich dazu äußern will, bin ich gezwungen, diesen ungewöhnlichen Schritt zu tun."

Es sagte dies der slowakische Schriftsteller, Journalist und Kommunist Ladislav Mňačko, und schlicht fügte er seinen brisanten Sätzen hinzu, wie einst auch der rebellierende Mönch vor dem Reichstag in Worms: "Ich kann nicht anders."

Ladislav Mňaňko war kaum per Schiff in Tel Aviv gelandet, da hatte Prag seinen protestierenden Israel-Fahrer bereits in Acht und Bann getan. Die Erklärung aus Prag hieß: "In einem Augenblick, wo die arabischen Völker gegen die imperialistische Aggression kämpfen, hat der slowakische Schriftsteller Ladislav Mňačko Fahnenflucht begangen und sich auf die Seite der Imperialisten geschlagen ... Die tschechoslowakische Regierung hat deshalb der Empörung des ganzen Volkes Ausdruck gegeben und ihm die Staatsbürgerschaft sowie den Ehrentitel ‚Verdienter Künstler‘ und die staatlichen Auszeichnungen aberkannt. Die Kommunistische Partei schloß ihn aus ihren Reihen aus."

Seit den Schüssen auf der Sinai-Halbinsel haben es die kommunistischen Parteien nirgendwo in der Welt leicht, den Gläubigen ihre geistige Waffenbrüderschaft mit den Arabern plausibel zu machen. Ihnen den Beistand zu einer Politik zu erläutern, deren erklärtes Ziel es ist, ein Volk auszurotten und einen Staat zu liquidieren.

Die Verketzerung Israels und die damit verbundene antisemitische Kampagne hat Unruhe in die Völker und die Parteien gebracht. In Polen wurden Offiziere strafversetzt, die es gewagt hatten, gegen die anti-israelischen Orders aufzumucken. Was den polnischen Offizieren recht war und auch den Dresdner Studenten, die ketzerische Fragen stellten – "Dient Arabien mit seinem Öl nicht auch den Imperialisten?" – sollte den tschechischen Dichtern und Denkern billig sein.