Der „Rheinische Merkur“ hat letzthin mehrmals behauptet, die ZEIT habe ihm falsche Zitate unterschoben. Sein stellvertretender Chefredakteur Theo M. Loch las uns die Leviten: „Falsches muß richtiggestellt, Lügen müssen dementiert werden.“

Was war geschehen? Die ZEIT hatte am 7. Juli 1967 den falsch angewendeten Philosemitismus kritisiert, der nach Ausbruch des Nahostkrieges in verschiedenen deutschen Tages-, Sonntags- und Wochenzeitungen grassierte. Wir schrieben: „Fast schien es, als ob die Leitartikler und Kolumnisten in der Springer-Presse, in ‚Christ und Welt‘ und im ‚Rheinischen Merkur‘ ungeheuerlich erleichtert waren, weil sie einmal auf der richtigen Seite mitsiegen durften. Verstaubtes Sondermeldungsvokabular kam wieder zu Ehren: da wurde wieder ‚Geschichte gemacht‘ (von ‚Männern‘ natürlich), da wurde jubilierend der Krieg wieder in seine Rechte eingesetzt, da nahm ein Staat wieder ‚das Gesetz des Handelns in die Hände‘, da kämpfte ein ‚Volk in Waffen‘, da wurde der Krieg zur ‚korrekten nationalen Haltung‘, da siegte eine Armee, weil sie siegen mußte, da starben Soldaten für ihren geliebten ‚Wüstensand‘ (früher war es die ‚heilige deutsche Erde’), da wurde sogar aus dem neutralen US-Verteidigungsminister McNamara unversehens ein ‚Kriegsminister‘

Bei keinem dieser Zitate war vermerkt, welcher Zeitung sie entstammten. In der Tat stand kein einziges davon im „Rheinischen Merkur“. Wenn er darauf Wert gelegt hätte, daß wir ihm das ausdrücklich bescheinigen – warum hätten wir das nicht tun sollen? Aber der „Rheinische Merkur“ wollte mehr; kurzerhand behauptete er: „Die Redaktion (konnte) auch bei peinlicher Gewissenserforschung nichts von der ungeheuerlichen Erleichterung entdecken, die Herr Janßen beobachtet haben wollte.“ Also sei die „Pauschal-Verurteilung“ „wahrheitswidrig und diffamierend“.

Was die Redakteure bei „peinlicher Gewissenserforschung“ nicht entdecken konnten, wäre ihnen bei der Nachforschung in den Spalten ihrer Zeitung vielleicht doch noch aufgefallen, nämlich dieser Satz: „Die gesamte westliche Welt hat wie ein Dessert die peinlichen Verluste genossen, die Rußlands Waffenarsenal durch die soldatische Minusleistung der Ägypter erlitten hat.“ Nun gut, streiten wir nicht darüber, ob diese Worte Ausdruck einer „ungeheuren Erleichterung“ waren; unbestreitbar zeigen sie Geschmack am „Dessert“. Krieg und Tod als Dessert... klj