Griechenlands Militärdiktatoren haben einen Gefangenen freigelassen. Sie begnadigten Evangelos Averoff-Tossizza, unter Karamanlis Außenminister, unter dem Militärregime zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Sein „Verbrechen“ war, daß er – unangemeldet – fünf Personen zu sich in die Wohnung geladen hatte. So streng sind in Griechenland die Versammlungssitten.

Die Averoffs sind eine angesehene griechische Familie; sie haben als Mäzene einen klangvollen Namen. Das Athener Sportstadion wurde mit ihrem Geld gebaut und auch ein Gebäude, das einen von ihnen beherbergen sollte – das Averoff-Gefängnis.

Die Gründe für den Gnadenakt liegen auf der Hand. König Konstantin wird demnächst in die Vereinigten Staaten reisen. Das Freilassungsdekret, das er unterschrieb, soll ihm offenbar als Entrebillett dienen. Die regierenden Obristen ihrerseits sehen mit Sorge die wachsende Opposition im Lande. Kundige Beobachter meinen, es seien nicht weniger als 80 Prozent der Bevölkerung, die das Regiment der Militärs ablehnen. Der Gefangene Averoff, führendes Mitglied der Konservativen Nationalradikalen Union (ERE), hätte ihnen als Märtyrer dienen können. Str.