Die „Manager Europas“, die Europa-Kommissare in Brüssel mit dem Präsidenten Jean Rey an der Spitze verdienen gut, sind aber, gemessen an den Einkünften der Wirtschaftsmanager in allen sechs EWG-Ländern, nicht zu hoch bezahlt. Europa-Präsident Rey erhält monatlich 111 300 belgische Franken, das sind 8904 Mark. Außerdem hat er Anspruch auf eine Residenzzulage von 15 Prozent seines Grundgehalts. Das sind nochmals 1768 Mark.

EWG-Präsident Hallstein mußte sich noch mit einem geringeren Gehalt begnügen: Er verdiente nur 8312 Mark, hinzu kam eine Wohnungsbeihilfe von 1664 Mark. Hallstein trug während seiner zehnjährigen Amtszeit nur die Verantwortung für den Aufbau der EWG, Rey dagegen leitet die vereinte Europa-Kommission, in der EWG, Euratom und Montan-Union aufgegangen sind.

Vizepräsident Hans Hellwig erhält ebenso wie seine Kollegen, der Franzose Barre, der Italiener Levi-Sandri und der Holländer Mansholt, monatlich ein Gehalt von 8044 Mark, zuzüglich einer Residenzzulage von 1136 Mark. Das sind rund 800 Mark mehr als die einfachen Europa-Kommissare, wie Hans von der Groeben, verdienen: 7196 Mark plus einem Wohngeld von 758 Mark.

Zu diesen Gehältern müssen noch die Zulagen für den Familienvorstand (5 Prozent des Grundgehalts), die Beihilfen für die unterhaltsberechtigten Kinder (88 Mark) und Erziehungsbeihilfen (80 Mark) hinzugerechnet werden. Hinzu kommen weitere, nicht so klar abgrenzbare Vergünstigungen, die Brüssels Europäer von Geschäftsleuten (Preisnachlässe von mindestens 10 Prozent) zugestanden werden.

Von den Kommissaren, die Diplomatenstatus genießen, werden diese Vorteile zwar kaum in Anspruch genommen, dafür aber um so lieber von den kleinen und mittleren Angestellten, die nicht nur am Monatsende weniger auf ihrem Konto vorfinden, sondern auch auf die Residenzzulage verzichten müssen – allerdings auch keine Repräsentationspflichten haben. hb.