Die Sowjetunion hat sich überraschend in den nigerianischen Bürgerkrieg eingeschaltet. Am letzten Wochenende landete ein gutes Dutzend sowjetischer Transportmaschinen auf dem nordnigerianischen Flughafen Kano mit Kriegsmaterial. Einige von ihnen sollen Düsenjäger vom Typ MIG 15 an Bord gehabt haben.

In Washington und London, die zwar ebenfalls die Zentralregierung und nicht die Rebellen in Biafra anerkennen, wurden die Waffenlieferungen bedauert. London hat allerdings den Verkauf von Flakgeschützen und Karabinern an Lagos zugelassen.

Radio Biafra behauptete, bei einem Luftangriff auf Kano seien mehrere MIGs am Boden zerstört worden. Angeblich sind bereits über hundert sowjetische Techniker und Piloten in Nigeria eingetroffen, um die Flugzeuge zu warten und nigerianische Piloten auszubilden. Biafra, das bisher nur über einen schweren Bomber verfügte, bemüht sich währenddessen auf privatem Wege um den Ankauf von Flugzeugen. Weißen Piloten, die für Biafra fliegen möchten, sollen 1000 Dollar pro Monat geboten worden sein. Die Regierung des Obersten Ojukwu verfügt anscheinend über vorerst unbegrenzte Geldquellen, so daß Biafra auf den europäischen Waffenmärkten keine Schwierigkeiten hat. Die "Sunday Times" meldete sogar, Ojukwu habe bei Rothschild eine Anleihe von mehr als 60 Millionen Mark aufgenommen und dafür dem französischen Bankhaus für zehn Jahre Schürfrechte eingeräumt.

An den Landfronten im Norden von Biafra und in den Grenzgebieten der West- und Nordregion Nigerias meldeten beide Seiten Erfolge. Die Bundestruppen schoben sich am Wochenanfang näher an die Hauptstadt Biafras, Enugu, heran, Truppen Ojukwus, verstärkt durch Einheiten aus der ebenfalls von Lagos abgefallenen Mittelwestregion, versuchten währenddessen, in Richtung Lagos durchzubrechen.

Beide Parteien haben inzwischen ihre Bedingungen für Friedensverhandlungen bekanntgegeben. Ojukwu ist zu Verhandlungen bereit, wenn ihm die Gegenseite die Souveränität Biafras garantiert. Die Bundesregierung unter Oberst Gowon verlangt als Voraussetzung den Widerruf der Sezession.